14.04.08
Erstaunliches im Wahlausgang in Italien Wer nicht eindeutig links oder rechts orientiert ist und die Wahlen in Italien mit den Augen des nicht unmittelbar betroffenen Ausländers sieht, muss dem Ergebnis zumindest folgende grundsätzliche Positiva abgewinnen:
Hoffen wir, dass es gelingt. Es würde dem Lande gut bekommen und Europa mehr als nützlich sein. Sollte das Experiment jedoch misslingen, dann ist hier der Teufel los, die dann unvermeidliche Politikverdrossenheit würde gefährliche Züge annehmen. Alora, in bocca al lupo, Bella Italia! |
| 08.02.08 Neue Ideen – es kann spannend werden in Italien Wie berichtet stehen in Italien Neuwahlen an, terminiert wohl für April 2008. Wie ebenfalls vorausgesagt, wird der jetzige Bürgermeister von Rom, Veltroni, der wichtigste Gegenkandidat für die Koalition von Berlusconi werden. Neu ist nunmehr, dass Veltroni die Idee verfolgt, alleine gegen die gesamte Rechtskoalition von Berlusconi anzutreten, mit anderen Worten, die gesamte Linke unter seinem Namen in der Wahl zu vereinen. Revolutionär für Italien, im Grunde würde er de facto eine einschneidende Korrektur der Wahlregularien ohne konkrete Gesetzgebung vornehmen.Für Berlusconi eine schwierige Ausgangslage, denn der italienische Wähler, der bisher irgendeine der zahllosen Linksparteien gewählt hat, würde dann wohl seine Stimme Veltroni geben und ihn damit in eine aussichtsreiche Position heben. Zunächst scheinen die kleineren Linksparteien das Spielchen mitzubetreiben, ob es allerdings bei der Nagelprobe dabei bliebe, ist abzuwarten. Gesetzt den Fall, Veltroni gewinnt die Wahl mit diesem (fast genialen) Coup, wo finden sich die bisherigen kleinen Linkparteien wieder – und insbesondere, wo finden sich deren Exponenten (mit ihren exorbitanten Privilegien) in einer Regierung wieder, die Veltroni dann nach Gutdünken zusammenstellen könnte? Dasselbe gilt für die rechtsorientierten Parteien, die bisher nicht die Absicht haben, „alles“ unter der Flagge Berlusconi laufen zu lassen, schließlich gälte für sie dasselbe wie für die Linken. Ein weiterer Beweis für den Einfallsreichtum dieses Landes, es bleibt oder besser: es wird zunehmend spannend................... |
| 05.02.08 Wie erwartet...... Wie zu erwarten war, wird es in Kürze in Italien Neuwahlen geben. Der Versuch des Senatspräsidenten, zu einer Einigung zu kommen und zunächst das verworrene Wahlgesetz ändern zu lassen, war zum Scheitern verurteilt. Zwar wäre es der logische Weg aus dem „Impasse“ heraus gewesen, aber die jetzige Opposition besteht auf schnellen Neuwahlen, wo sie sich gute Chancen einräumt. Die wirklich tragende Figur in der jetzigen noch übergangsweise regierenden Parteiengruppierung, der Bürgermeister von Rom Veltroni, verficht zwar die vorhergehende Neuregelung des Wahlgesetzes; dennoch erscheint auch das halbherzig, sieht er doch bei Neuwahlen gute Chancen , der neue Leader der Mitte-Linkskoalition zu werden. Damit sind wir beim Problem: keine der Seiten kann ernsthaft auf einen überwältigenden Wahlerfolg hoffen. Berlusconi und seine Gruppierung ist stark, Berlusconi als Person aber unverändert umstritten. Und mit Veltroni ist ein Gegner auf dem Parkett, der mittel- und langfristig ernster zu nehmen ist als alles, was die jetzige Regierung aufzuweisen hatte. Was bedeutet das für Italieninteressierte und Italienreisende ? Im Grunde nichts weltbewegendes. Nach einem kurzen und sicher heftigen Wahlkampf wird es eine neue Regierung geben. Berlusconi’s bekannte Koalition (wenn das Wort für Italien überhaupt Geltung hat) mit allem pros und cons, oder aber ein Mitte-Links-Bündnis unter einem Mann wie Veltroni, der als Mann der Verlässlichkeit und ruhigen Hand gilt, innen- wie außenpolitisch. Was zu hoffen ist, ist dass es ein klares Wahlergebnis gibt, das eine Regierung bringt, die eine ganze Legislaturperiode durchsteht und die aktuellen Probleme mutig aufgreift. |
| 30.01.08 Auch das ist Volkes Stimme...... Mal wieder eine Regierungskrise in Italien, von Insidern schon früher erwartet als nunmehr eingetreten. Natürlich streiten sich die Seiten/Sympathisanten um die Frage, wer Recht hat, wer in Zukunft regieren solle. Einigkeit besteht jedoch weitgehend in der Bewertung, dass eine Übergangsregierung es nicht schaffen würde (wollte?), das dringend reformbedürftige Wahlgesetz in kurzer Zeit zu ändern; schließlich haben die Monate der Regierung Prodi dazu auch nicht ausgereicht. Und was denkt der „Mann auf der Straße“? Ein Beispiel aus meinem Bekanntenkreis, der täglich eine Reihe von Zeitungen liest: „Ich glaube denen kein Wort mehr, ich lese nur die Kinoanzeigen, auf die ist wenigstens Verlass“. |
| 07.09.07 Ganz schön dreist........ Wie sicher bekannt, werfen Touristen und Einheimische immer wieder Münzen in die berühmte Fontana di Trevi in Rom – heißt es doch, wer das tut kehrt bestimmt gesund nach Rom zurück. Vor einiger Zeit hatte die Stadt das Einsammeln dieser Münzen selbst übernommen, nachdem jahrelang junge Leute davon profitiert hatten. Gestern nun wurden am helllichten Tage zwei junge Männer aus der Gruppe der Sinti oder Roma am Brunnen festgenommen. Sie hatten mit einem speziellen Angelgerät bereits Münzen im Wert von 800 Euro erbeutet, das alles während einer kurzen Zeit der Abwesenheit von Polizeibeamten. Zeugen hatten Alarm geschlagen, die beiden wurden mit ihrer Beute nach kurzem Handgemenge von den Carabinieri festgenommen, Geld und Werkzeuge konfisziert. Da die beiden Täter volljährig sind (welch eine Überraschung, meist werden Kinder vorgeschickt), wird ihnen sicher der Prozess gemacht.......... |
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01.09.07
Die Jagd ist eröffnet..... Wie berichtet, gehen die ersten italienischen Städte gegen fliegende Händler und „Scheibenputzer“ an Straßenkreuzungen vor. Die Debatte, ob dies rechtlich zulässig und politisch opportun ist, läuft sehr langsam und zähflüssig an. Volkes Stimme scheint eher positiv zu reagieren. In Rom hat die Jagd bereits begonnen. Gestern wurden bereits über 50 Festnahmen und Beschlagnahmungen verzeichnet, man meint es offenbar ernst. Heute nunmehr wurde die Piazza Navona, einer der großen Umschlagplätze für Plagiate und Tinnef, hermetisch abgeriegelt, wilde Jagden, Einsammeln von beschlagnahmten Waren in großen Mengen. Durchgeführt werden die Maßnahmen von zivilem Personal der Stadt, die anders als Polizei oder Carabinieri nicht bei ihrem Erscheinen sofort als Sicherheitskräfte erkennbar sind. Die einheimische Bevölkerung nimmt interessiert teil, für die vielen Touristen ist es eine Attraktion mehr. Wir berichten weiter. |
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Fliegende Händler und andere – Italien greift durch........ Wie manch andere europäischen Länder, wenn auch deutlich intensiver, ist Italien geplagt durch ambulante „Scheibenputzer“ an Straßenkreuzungen, Verkäufer meist minderwertiger Gebrauchsartikel auf den Straßen und Plätzen, ambulanten Händlern an den Stränden, Verkäufer nachgeahmter Markenware überall. Es gibt regelrechte Banden- und Clan-Kämpfe um die besten Plätze in den Städten. Aus zwei Gründen beginnen nunmehr in diesen Tagen die ersten italienischen Städte - in vorderster Front Florenz, Bologna und Viareggio, andere werden schnell folgen -, gegen diese Landplage vorzugehen. Zum einen will man dem Handel mit Plagiaten ein Ende setzen, bei dessen Ankauf auch der Käufer (!) sich strafbar machen kann. Darüber hinaus sind in letzter Zeit zu viele Fälle bekannt geworden, wo die „Scheibenwischer“ und Verkäufer von etwa Papiertaschentüchern zu einer immer aggressiveren Art des Anbietens ihrer Leistungen übergegangen sind. Insbesondere Frauen, ältere Menschen und Ausländer sahen sich bisweilen in unangenehmen Situationen, wenn sie diese Dienste ablehnten. Trotz klarer Ablehnung werden die Scheiben dennoch (schlecht) geputzt und ein Obulus mehr oder weniger aufdringlich gefordert. So gesehen wäre es wahrlich ein Segen, würden die Behörden diesem Spuk tatsächlich ein Ende setzen. Man beginnt mit Geldbußen, weitere Strafen dürften folgen. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass die überwiegende Zahl dieser ambulanten Händler wirklich arme Schlucker sind, oft in den Klauen krimineller Banden und von diesen übelst ausgebeutet. An diese Organisationen muss man mittelfristig herankommen, ansonsten bekämpft man das Symptom und nicht die Krankheit. Es kann als sicher angenommen werden, dass auch Rassismus und Fremdenfeindlichkeit als Argumente in die aufflammende Diskussion einfließen werden, sind doch die weit überwiegende Zahl der ambulanten Händler, Wischer und „Vu comprà“ (....willste was kaufen..) Ausländer oder Sinti, Roma usw. Man muss sich fragen, was aus diesen Menschen wird, wenn sie keinerlei Arbeit mehr haben. Das Verbot alleine reicht also nicht, die Kommunen müssen weiterdenken. |
Eine Stadt mit Herz
Über Rom wird – meistens von Nicht-Römern – viel gelästert. Manche Klagen sind berechtigt, die meisten aber unzutreffend. Sieht man von Lärm und Straßenverkehr ab, ist es eine liebens- und erlebenswerte Stadt wie kaum eine andere. Eine Aktion für diesen Sommer stellt dies einmal mehr unter Beweis: von Mitte Juli bis Ende August liefern Supermärkte und andere größere Geschäfte ihre Waren ohne Zusatzkosten frei Haus an Menschen über 70 Jahre, die gesundheitliche Probleme haben oder gehbehindert sind. Die Aktion läuft unter dem Motto „Nonna Roma, città per la 3a età” – Großmutter Rom – eine Stadt für den 3. Lebensabschnitt. Nachahmenswert, nicht zuletzt für Städte, die sich als Stadt „mit Herz“ feiern lassen. |
Volkes Stimme In Rom regnet es seit Tagen, die Straßen sind mit riesigen Pfützen übersät, besonders im Centro Storico, wo die alten Pflastersteine dringend reparaturbedürftig sind.Eine reichlich alte Frau steht mitten in einer dieser Wasserlachen und ruft: „Da stehe ich nun mitten im Wasser, und das Riesen.............von Bürgermeister sitzt oben auf dem Kapitol und hat keine nassen Füße“ |
Na prima!
Die italienische Presseagentur meldet:
Eine Kellnerin aus Südtirol hat einen Rechtsanwalt, die halbe Fußballmannschaft des Ortes und mehrere Angestellte der Gemeinde verklagt um herauszufinden, wer der Vater des Kindes ist, das sie erwartet........ Management by surprise
Freitagabend, Hauptverkehrszeit, ein Bus in Rom. Vollbesetzt, alle haben es eilig, manche tatsächlich, andere geben sich gerne als „wichtig und unter ewigem Zeitdruck“.
Nun wird dieser Bus plötzlich umgeleitet, für eine der unendlich vielen und absolut nutzlosen Demonstrationen in der Innenstadt ist der Verkehrsknotenpunkt Piazza Venezia gesperrt. Natürlich ist diese Umleitung nicht angekündigt, der Busfahrer gibt keinerlei Hinweise, alle fahren plötzlich in eine total veränderte Richtung. Erst ungläubiges Gemurmel, das schnell in hektische und laute Atmosphäre umschlägt. „Ich hätte hier aussteigen müssen“, „ich muss die Kinder von der Schule abholen und werde sie so verpassen“, „mir geht ein Geschäft von mehreren Millionen durch die Lappen“, „meine Frau glaubt mir kein Wort, wenn ich zu spät komme“ usw. Danach beruhigt sich zwar nichts und niemand, aber die Gespräche gehen in zwei Richtungen: 1. Wozu sind all diese Demonstrationen gut, uns armen Schweinen helfen sie jedenfalls nicht (Anhänger von Berlusconi bzw. Prodi geraten sich in die Haare) und 2. Hat man mit Arthritis echt Anspruch auf einen Sitzplatz, besonders bei langen Umleitungen („ich habe schwere Arthritis, wollen Sie mal meine Knie sehen“, so eine ältere überdimensionierte Dame, nein: besser Frau). Am Ende der Umleitung und ca. 20 Minuten später stellt sich heraus, dass die Demonstration bereits beendet und die Straße längst offen gewesen wäre. Die Knie der Frau wurden uns erspart, der Mann, dem das Millionengeschäft durch die Lappen zu gehen drohte, konnte seinen Lottozettel doch noch rechtzeitig abgeben. Und zu Hause haben sie all wieder etwas zu erzählen... Was sind doch Fremdsprachen schwierig...
Einer Bekannten wurde vor einiger Zeit der Laptop gestohlen. Sie erstattete Anzeige, die von der örtlichen Polizei ihres kleinen italienischen Dorfes aufgenommen wurde.
Die Anzeige lautete, dass der Laptop entwendet wurde, während sie damit arbeitete. Offensichtlich war der Begriff „Laptop“ dem Beamten nicht bekannt. So kam es dazu, dass das Protokoll auswies, es wurde ihr das „Letto“ (also das Bett) gestohlen, während sie darauf arbeitete... Sommer in Rom...
Jahreszeitlich etwas zu früh: in Rom herrscht heißer Sommer. Restaurants, Trattorien und Pizzerien breiten sich aus wie ein Ölfleck, alle finden irgendwie einen Platz im Freien. Vorgeschrieben ist, dass sie ihre Tische und Stühle nicht mehr als 1m 30 von der Hauswand aufstellen dürfen, aber im Laufe eines Abends werden diese 130 cm auf wundersame Weise verdoppelt.....
So auch in einer Pizzeria, die wir gerne und häufig besuchen. Heute nun eine kleine Überraschung: Ungeachtet der Tatsache (oder gerade deswegen ?), dass sich unterhalb die bestens besuchte Pizzeria befindet, haben die Bewohner der oberen Etagen des Palazzo ihre üppigen Blumen bereits gegen 21.00 Uhr gegossen, offenbar ein wenig im Übermaß, denn an einigen Tischen wurde eine schleunige Flucht eingeleitet: es regnete ihnen in die Suppe oder anderes. Große Aufregung, heftige Worte der Eigentümers und manchen Gastes – dann wurde in Ruhe weitergetafelt, wie sich das gehört. Come sei bella, Roma, anche con tutti i tuoi diffetti e l’inevitabile menefregismo - Wie schön ist doch Rom, trotz all seiner Kinken und dem bekannten LMA- Verhalten seiner Einwohner! Wie menschlich...
Rom, Petersplatz, Mittagszeit. Zwei Geistliche in Soutane spazieren über den Platz, offensichtlich in eine angeregte Diskussion verwickelt, den weiter Gesten nach beide Italiener. Das Gespräch nimmt an Heftigkeit zu, die Gesten werden akzentuierter, die Stimmen lauter. Zum Schluss –offensichtlich kam man nicht zu einer Einigung – verlässt einer der beiden den anderen mit einer Geste, die in Italien als „vaffa“ bekannt ist, auf Deutsch: „LMA“!
Alle Achtung !
Wegen einer schweren Knöchelverletzung musste meine Frau bei einem Flug die Dienste des Flughafens Fiumicino in Anspruch nehmen und wurde im Rollstuhl gefahren. Bei Ankunft in Rom betreute sie ein einfacher Flughafen-Angestellter mittleren Alters. Während man auf das Gepäck wartete, entspann sich ein Gespräch, in dessen Verlauf dieser Mann ein unerwartetes Wissen um Geschichte zeigte, von der Schlacht im Teutoburger Wald über die römischen Republiken und Kaiser bis hin zu detaillierten Zusammenhängen in römischen Familien der Zeit Cäsars. Auch mit Blick auf eine Filmserie „ROMA“ über den Aufstieg und Fall Cäsars, die in diesen Tagen im italienischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, bewies er ausgeprägtes Urteilsvermögen. Meine Hochachtung!
Unter Denkmalschutz... Die Thermalkaskaden in Saturnia und das kleine Theater in Vetronia sind in diesen Tagen (endlich) unter Denkmalschutz gestellt worden. Dies hat u.a. zur Folge, dass ihre Pflege und Bewahrung mit staatlichen Mitteln gefördert wird, sicher sehr zum Nutzen der Besucher und aller interessierten Touristen.
Das war’s dann wohl...
Das Kassationsgericht hat heute die endgültigen Entscheidungen zur Wahl in Italien getroffen und veröffentlicht. Danach hat es bei den überprüften Stimmzetteln erneut einen kleinen Zuwachs der Linken gegenüber Berlusconi’s Lager gegeben, die rund 40.000 Stimmen in dem einen Wahlbezirk wurden als zu zählen bestätigt. Weitere Nebengeräusche der Rechten sind nicht auszuschließen, die Entscheidung allerdings ist nunmehr gefallen.
Damit ist das Linksbündnis bestätigt, sowohl im Parlament wie auch im Senat. Nun denn: es dürfte für die Linken leichter gewesen sein, die Wahlen zu gewinnen als dieses sehr zerstrittene Land zu regieren. Es bleibt abzuwarten, wie sie sich halten – und nicht zuletzt wie lange angesichts der bisher nur übertünchten Heterogenität ihrer Koalition. Zu Italien kann man nur sagen „in bocca al lupo“, viel Glück! Wasserstandsmeldung...
Nunmehr sollen die Urteile zur Wahl am kommenden Donnerstag ergehen. Zum einen geht es um die Nachprüfung von Stimmzetteln, die zunächst als ungültig gewertet wurden. Weit interessanter dürfte jedoch die Entscheidung darüber sein, was mit den rund 40.000 Stimmen geschieht, die für eine Partei abgegeben wurden, die lediglich in einer Provinz Italiens (vergleichbar Landkreis/Regierungsbezirk) kandidiert hatte. Sie waren zunächst alle der Linkskoalition zugeschlagen worden, die Rechtsparteien behaupten nun, es gebe ein Gesetz, nach dem sie überhaupt nicht gewertet werden durften. Auch hierüber entscheidet das Kassationsgericht von Rom. Sollte die Auffassung der Rechten Platz greifen, verlöre die Linke 40.000 Stimmen, das Ergebnis der Wahlen schlüge sofort um zu Gunsten von Berlusconi. Sollte das Kassationsgericht anderer Auffassung sein, ist ein weiterer schwelender Rechtsstreit nicht auszuschließen, da die Rechten sich sicher nicht damit abfinden würden, solange es weitere Instanzen gibt. Spannende Zeiten! Eine zähe Rasse, diese Toskaner...
Eine 81jährige aus Viareggio hat in diesen Tagen ein echtes Verkehrschaos angerichtet. Zunächst hat sie einen Verkehrsunfall verursacht, dann Fahrerflucht begangen, auf der Flucht einen Motorradfahrer über den Haufen gefahren, die Aufforderungen der Polizei anzuhalten missachtet, erneut die Flucht angetreten, diesmal im Rückwärtsgang. Als sie schließlich von der Polizei gestellt wurde, weigerte sie sich, ihre Papiere vorzuzeigen. Ende vom Lied: Festnahme, Sicherstellung des Autos, Führerscheinentzug. Wahl in Italien, oder: die Unendliche Geschichte
Mit Spannung wird das endgültige (?) Votum der Gerichte zum Ausgang der Wahlen in Italien erwartet. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass die Linkskoalition letztlich das bessere Ende für sich behalten wird, jedenfalls im Parlament, im Senat kann es eng werden. Und eine italienische Regierung, die nicht in beiden Kammern eine Mehrheit hat, gerät in arge Schwierigkeiten – von der mangelnden Homogenität der Linkskoalition ganz zu schweigen.
Die Kritik des Auslands, zunehmend aber auch in Italien, richtet sich gegen die „sture“ Haltung Berlusconi’s, der das bisherige Wahlergebnis nicht anerkennen will. Die Begrifflichkeiten reichen von Starrsinn, über Realitätsverlust und Lächerlichkeit bis hin zu schlimmeren Termini aus dem Vokabular der Politik und noch mehr der Medien. Man kann über Berlusconi’s verzweifelte Rettungsversuche sicher unterschiedlicher Meinung sein. Eines aber dürfte feststehen, will man nicht plötzlich die Welt der Politik und der Medien mit einem Glorienschein des Wohlverhaltens verschleiern.: Die italienische Linke würde mit Sicherheit denselben Weg gehen, sähe sie darin eine letzte Chance eine verloren erscheinende Wahl am Ende doch noch zu gewinnen. Wer glaubt, dies sei ein typisch italienisches Phänomen, macht sich etwas vor. Denken wir an die letzte Wahl in den USA. Und hätte Schröder die Macht abgegeben, wenn es noch eine letzte kleine Chance zu ihrer Erhaltung gegeben hätte? Wo es um (politische) Macht geht, haben hehre Verhaltensweisen, Fairness und Edelmut keinen Platz mehr, wenn sie es denn je hatten. Die Zeiten haben sich verändert und wir (in Italien oder sonst wo) mit ihnen. Jugend forscht...
Während die Schlacht um den Wahlgewinn immer skurrilere Züge annimmt, geht das Leben in Italien weiter. Die Carabinieri habe in einem römischen Bus einen Erwachsenen und 4 Kinder festgenommen, die offenbar „Ausbildung am Arbeitsplatz“ betrieben. Der Erwachsene trainierte die Kinder vor Ort auf trickreichen Taschendiebstahl. Durch einen Trainingsunfall wurden sie geschnappt, der Erwachsene sitzt in Untersuchungshaft, die Kinder mussten wieder freigelassen werden. Sollte ihr Ausbildungsstand fortgeschritten sein, so können sie sicher schnell das Geld erwirtschaften, das für einen guten Anwalt erforderlich ist.
Man erinnere sich: vor zwei Jahren wurde eine im Taschendiebstahl versierte Frau interviewt, die angab, an einem guten Tag in Rom auf rund 700 $ Beute durch Taschendiebstahl zu kommen, steuerfrei versteht sich. Nach der Wahl ist vor der Wahl...
Wie erwartet: ein Riesendurcheinander, jeder gegen jeden, die einen feiern, die anderen „pfeifen im Walde“.
Auf der einen Seite kann man die bisherige Opposition verstehen, wenn sie schon mal feiert und Pläne schmiedet, wie es denn nun weitergehen soll. Auf der anderen Seite kann man der bisherigen Regierung sicher nicht das Recht absprechen, angesichts der äußerst knappen Lage die offenkundigen Grauzonen erneut auszuleuchten. Schließlich sind es gerade einmal ein paar Zigtausend Stimmen, die letztlich fehlen, um in der Kammer/Parlament doch noch eine Mehrheit zu haben, im Senat geht es noch knapper zu. Neue Nahrung hat dieser Gedankegewonnen, als nunmehr einige Kartons mit offenbar ausgefüllten Wahlzetteln im Müll gefunden wurden. Zustände „wie im alten Rom“! Wie immer die Dinge sich weiterentwickeln, folgendes dürfte bereits heute feststehen:
Ergebnis für den Moment: Alles klar, keiner weiß Bescheid, keiner weiß „wo es lang geht“, aber sie marschieren schon mal los. Die Frühlingssonne scheint, die Menschen sind freundlich wie vor der Wahl, das Land wird sich „di riffa o di raffa“, eben irgendwie berappeln wie es das seit über 2000 Jahre getan hat. In der Zwischenzeit werden ausländische Medien die Entwicklung aufmerksam verfolgen und mit Häme und wohlgemeinten Ratschlägen sicher nicht sparen. Auch daran dürfte sich nichts ändern. Nach der Wahl ist vor der Wahl...
Italien hat gewählt. Bleibt es bei den Zahlen von heute, so hat das Linksbündnis unter Prodi sowohl im Senat wie in der Kammer hauchdünne Siege errungen. Die eigentliche Mehrheit im Parlament entsteht letztlich durch das neue Wahlgesetz, nicht durch den Vorsprung von rund 25000 Stimmen bei knapp 60 Millionen Wahlberechtigten. Bleibt abzuwarten, ob es ernsthafte Wahlanfechtungen und Nachzählungen geben wird, auszuschließen ist dies nicht.
Glücklich, wer hier nicht wählen musste. Die Entscheidung zwischen einem erfolgreichen aber eben sehr schillernden Berlusconi und einem grundsoliden aber erschreckend farblosen Prodi wäre nicht leichtgefallen. Wie geht es weiter? Zunächst einmal: es geht weiter, das ist in Italien seit über 2000 Jahren so. Angesichts des Wahlausgangs wird es einige Zeit dauern, bis man sich etabliert hat. Die politische Spaltung des Landes konnte deutlicher nicht sichtbar werden, die Regierung wird es nicht leicht haben. Abzuwarten, ob das Linksbündnis hält, umfasst es doch ein Konglomerat von politischen Richtungen, die sich bisher nur im Kurs gegen Berlusconi einig waren. Ich sehe keine 5 Jahre Regierungszeit Prodi, der ja auch bei seinem letzten Versuch aus den eigenen Reihen gestürzt worden ist. Das Schiff Italien hat einen selbstverliebten Skipper verloren und gegen eine Handvoll Steuerleute eingetauscht, die als Persönlichkeiten nicht unbedingt dem nominellen Kapitän folgen werden. Wichtiger aber erscheint mir die Wahrscheinlichkeit, dass Italien seinen unter Berlusconi errungenen Platz in der EU und international nicht wird halten können. Bei all seinen Allüren ist Berlusconi ein instinktsicherer Vollblutpolitiker, der sein Land nach außen bestens in Szene gesetzt hat. Auch innenpolitisch hat er weit mehr Meriten, als ihm zB die deutschen Medien zubilligen wollen, die ihn gerne mit spitzer Feder mit Häme überziehen, wahrscheinlich ohne je in Italien gelebt zu haben oder dem Betroffenen persönlich begegnet zu sein. Das Gescheiteste wären Neuwahlen mit dann klaren Entscheidungen oder eine Große Koalition, die man sich hierzulande aber nicht vorstellen kann. Nach anfänglicher Hektik dürfte es langweiliger werden in diesem Land, das Gezänk wird zunehmen, die staatlichen Medien und die Justiz in ihrer Ausrichtung noch einseitiger werden, die Gelder für notwendige Reformen/Entlastungen werden auch die Neuen nicht auf der Straße finden. Warten wir es ab, das Klima und die Freundlichkeit der Menschen im Lande helfen dabei. Wie sagt man hier: “Anche Roma non è stata fatta in un giorno” 27.03.2006 Ob im Großen oder Kleinen, immer „italienisch“ In Italien läuft derzeit der Wahlkampf für die nationalen Wahlen Anfang April, der wohl auch deshalb ein besonderes Maß an Schärfe hat, weil es um die Wiederwahl oder Abwahl einer Regierung geht, die für italienische Nachkriegsverhältnisse ungewöhnlich lang im Amt ist. War auch die erste Fernsehdebatte zwischen den Hauptkandidaten Berlusconi und Prodi eher langweilig, so spitzen sich die Dinge nunmehr deutlich zu.
Zeitlich fast parallel stehen in unserem Golfclub Neuwahlen an, auch hier mit einem Präsidenten, der 7 Jahre lang den Club geführt hat. Wie sich die Bilder gleichen: Auch hier drängen die, die keinerlei eigene Vorschläge haben, auf Veränderung; „7 Jahre sind genug“ – ungeachtet der Frage, ob es gute 7 Jahre waren. Das anerkanntermaßen Erreichte, in der großen Politik wie im kleinen Golfclub, gilt nicht mehr oder wird schlicht als gegeben vereinnahmt. Leute, die jahrelang die Stimme nicht erhoben hatten, werden aktiv und zerreden alle und alles mit einer fast masochistischen Attitüde – im Lande wie im Golfclub. Schlechtredner und Cassandras haben Blütezeit, finden willige Anhänger, die „schon vor Jahren alles anders gemacht hätten“. Freundschaften werden harten Bewährungsproben ausgesetzt, die „Spaltung“ ist treibendes Element – erneut: im Kleinen wie im Großen. Von Programmen für die Zukunft ist nur reichlich Schwammiges zu hören und zu lesen, mit großen Gesten und blumigen Worten, aber eben immer nebulös und ohne verlässliche Finanzierungsgrundlagen. Mal sehen, wie es ausgeht. Das Ergebnis im Golfclub wird sich wohl nicht weltweit auswirken, die politischen Wahlen jedoch dürfen mit Spannung erwartet werden. Bei einer Abwahl Berlusconi’s wird Italien sicher ein anderes Land werden - ob besser, das wissen nicht einmal die Götter. Für den Golfclub gibt es die Hoffnung, dass ungeachtet des Wahlausgangs sich danach alle wieder „vertragen“ werden. Auf der politischen Ebene ist das wohl nicht zu erwarten. Wahlkampf in Italien oder „Jetzt geht’s los!“ In Italien ist der Wahlkampf in vollem Gange, nach einer außergewöhnlich langen Legislatur der Regierung Berlusconi sicher einer der interessantesten der letzten Jahrzehnte.
Im Rahmen dieser Kampagne wurde Ministerpräsident Berlusconi von einem der Sender der öffentlich rechtlichen RAI zu einem Interview eingeladen, das er vorzeitig und unter Protest abbrach und das Studio verließ. Zum Hintergrund: 1.Berlusconi, Eigentümer einer breiten Reihe von Privatsendern (Mediasat), wird seit Jahren vorgeworfen, diese Sender parteipolitisch zu nutzen. Demgegenüber behaupten Berlusconi und seine Parteigänger/Koalitionspartner, die öffentlich rechtliche RAI (Rundfunk und Fernsehen) sei linksorientiert, ja von links unterwandert und gesteuert. 2. Berlusconi hatte vor kurzem einer Einladung folgend eine Rede vor dem US-Kongress gehalten, erstmalig für einen italienischen Ministerpräsidenten. Die Rede war bestens vorbereitet, mit einer hervorragenden Adressatenanalyse genau auf sein Publikum zugeschnitten, rhetorisch und dramaturgisch einfach sehr gut, emotional am Rande des Erlaubten, mit einem Wort: Er hatte einen großen Erfolg bei diesem Auftritt. Übertragen wurde diese Rede ausschließlich von Mediasat, die RAI beschränkte sich auf Auszüge und die unvermeidliche Kritik von der Opposition. 3. Mit Dekret des Staatspräsidenten gilt in Italien für eine definierte Zeit vor den Wahlen die Linie der „Chancengleichheit“ auch mit Blick auf die Medien, somit auch für Fernsehauftritte der Spitzenkandidaten. Mit Mühe konnte man sich auf zwei Fernsehduelle Berlusconi- Prodi einigen, die mit Spannung erwartet werden. Vor diesem Hintergrund kam es nun zu einem Live-Interview von Berlusconi durch die RAI. Gesprächspartner war eine Journalistin der RAI. Im Verlaufe dieses Interviews fühlte sich Berlusconi durch die Journalistin manipuliert, die ihn in der Tat nicht ausreden und seine Gedanken/Programme darstellen ließ, sondern ihn laufend unterbrach und mit neuen bohrenden Fragen bedrängte. Ergebnis: Berlusconi warf ihr Parteilichkeit vor und verließ das Studio vorzeitig, er brach das Interview mit dem Bemerken ab, der beste Beweis der Parteilichkeit der RAI sei heute erbracht worden. Die Wogen gehen naturgemäß hoch in Italien, Tenor wie nicht anders zu erwarten unterschiedlich je nach Parteieninteressen. Dem unbefangenen Betrachter stellt sich die Lage wie folgt dar: Die Gesprächsführung der Journalistin war tatsächlich nicht wertfrei und journalistisch unparteiisch, sie war darüber hinaus fast dilettantisch tendenziös und spielte Berlusconi das Argument „Hier haben wir den Beweis für die politische Unterwanderung der RAI“ in die Hand. Ob die vorzeitige Beendigung eines solchen Interviews politisch die richtige Lösung ist, steht dahin. Die Wahlen in wenigen Wochen werden zeigen, wer wem in die Falle gelaufen ist. Es bleibt spannend, und weitere Possen werden unvermeidlich folgen. Gute Idee
Anzeigetafeln über den italienischen Autobahnen geben wie in anderen Ländern auch Informationen über den Straßenverkehr und –zustand oder andere Hinweise und Ermahnungen. Vor einigen Raststätten taucht neuerdings eine ganz anders geartete Information auf: „Von 24.00 bis 05.00 Uhr kostenlos Kaffee“.Eine gute Idee, denn sicher werden einige Unfälle wegen Übermüdung so verhindert – zur Nachahmung empfohlen...
Klare Sprache – ohne Worte
In der römischen Innenstadt gibt es zur Zeit – was immer das bedeuten mag – eine Menge Baustellen. Es gibt aber auch Stellen, die an anderem Ort längst als gefährlich abgesperrt wären, hier aber weiterhin dem Verkehr offen stehen. So z.B. etwa 15 cm hoch stehende Kanaldeckel mitten auf dem Bürgersteig. Über einen solchen Kanaldeckel stolperte dieser Tage ein griesgrämiger Herr mittleren Alters, der so in Gedanken seines Weges ging, dass er das „Hindernis“ nicht erkannte. Er fing sich ohne zu Fall zu kommen. Dann jedoch drehte er in unnachahmlich italienischer Pose seinen Blick und Körper zurück, breitete in großer Geste seine Arme aus und ließ so, ohne ein einziges Wort zu verlieren, seiner Wut vollen Lauf. Die deutsche „Übersetzung“ seiner Geste wäre unzweideutig gewesen: Da sitzt ihr blöden ....löcher in Euren Büros im Stadtbauamt herum, und ich riskiere hier Kopf und Kragen“.
Zumindest konsequent.....
Seit über einem Monat erhalten die Einwohner eines Ortsteils einer italienischen Kleinstadt weder Briefe noch Paketpost. Der zuständige Postbote weigert sich konsequent, Sendungen zuzustellen, solange nicht ein Hund „gebändigt“ werde, den er als gefährlich einstuft. Wäre der Hund, wie üblich, einem bestimmten Herrchen/Frauchen zugeordnet, ließe sich das Problem sicher lösen; der „Druck“ der anderen, die auf Post warten, reichte sicher aus, eine Lösung zu finden. Im vorliegender Falle allerdings gilt dieser Hund als Eigentum aller im Stadtteil, die Bewohner behaupten, sie alle hätten ihn aufgezogen und er täte keiner Fliege etwas zuleide. Dies wiederum kann den Postboten nicht überzeugen. Bleibt abzuwarten, ob der Ortsteil auf Dauer auf Post oder auf den Hund verzichtet – oder ob die italienische Post eine Lösung findet, obwohl das nicht gerade ihre Stärke ist...... Nota bene: in Italien werden viele Rechnungen per Post verschickt, honi soit qui mal y pense!
Wie man eine dürftige Rente aufbessert: Grab Dir Dein eigenes Grab
In Rom wurde dieser Tage ein 74jähriger festgenommen. Er war einer, der auf dem römischen Flohmarkt „Porta Portese“ Trödel verkaufte wie viele andere. Eingeweihten jedoch zeigte er seine geheimen Prunkstücke: wahrhaft antike Stücke, die er als versierter Grabräuber „gesammelt“ und offenbar kunstfertig restauriert hatte. Er wurde festgenommen, als er auf dem Wege zu einem seiner Kunden war. Im Wagen fand man mehrere Taschen mit antiken Gegenständen. Die nachfolgende Untersuchungen in seiner Wohnung förderten insgesamt 8.972 antike Stücke zutage, alles Grabbeigaben aus Etrusker oder früher Römerzeit: Statuetten, Vasen, Becher und anderes in unschätzbarem musealem Wert – und natürlich alles Staatseigentum, unter Denkmalschutz, Veräußerungs- und Exportverbot usw. Darüber hinaus fanden die Beamten eine bestens ausgestattete Werkstatt für Restaurierungen aller Art. Die Meldungen beinhalteten nicht, seit wann und mit welchem Gesamterfolg er seine Rente so aufgebessert hatte. Erstaunlich am Rande, dass selbst heute noch ein gewiefter Grabräuber Gegenstände in dieser Zahl findet, eigentlich dachte man, es sei längst alles „abgegrast“. Fontana di Trevi – Gelegenheit macht Diebe
Lange Jahre hatte man Kinder und Jugendliche gewähren lassen, als sie die vielen Münzen aus dem Trevi- Brunnen fischten, die Touristen dort in Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen in Rom „über den Rücken“ hineingeworfen hatten. Im Zuge knapper werdender staatlicher Mittel hat man dies vor einiger Zeit unterbunden und Angehörige der Stadtreinigung mit der Aufgabe betraut, das Geld ging immer an karitative Einrichtungen.
In diesen Tagen nun wurden vier von ihnen festgenommen, die die Münzen veruntreut hatten. Und siehe da, man fand bei ihnen eine Summe von rund 1.200 EURO in Münzen. Keine schlechte Einnahme, wen man bedenkt, dass der Brunnen jede Nacht befischt wurde... Rette sich wer kann
In Rom war dieser Tage die Piazza Venezia - sicher der verkehrsreichste Platz der Stadt, vergleichbar mit der Etoile in Paris – Schauplatz bester Verkehrslenkung „alla romana“.
Aus unerfindlichen Gründen war vorübergehend eine Abfahrt des Platzes gesperrt, auf dem insgesamt 7 Straßen münden, und dies in der Hauptverkehrszeit gegen 18 Uhr. Wer, wie ich, in diesem Inferno landete, hatte auch bei größter Kunstfertigkeit keine Chance, wieder aus dem Kreisel herauszukommen. Polizisten überall, deren Hauptbeschäftigung war, den Kopf zu schütteln oder wegzusehen, wer dachte, er käme an der nächsten Abzweigung irgendwie heraus, sah sich getäuscht, da inzwischen auch dort abtrassiert und gesperrt war. Mit mir drehten sicher 200 weitere Pkw und mindestens 20 Busse eine Runde nach der anderen. Die Buspassagiere hatten immer noch die Chance, irgendwo auszusteigen, wenn der Bus wieder einmal halten musste. Ich verbrachte eine geschlagene Stunde im Labyrinth. Lehre: nie mit leerem Tank unterwegs sein. Dennoch: außer den üblichen verbalen Kraftakten nahmen es alle reichlich gelassen, denn zum Abendsessen waren sie dann wohl doch alle auf dem Heimweg und auch der größte Muskelkater vom angestrengten Gestikulieren geht vorbei. Nota bene: ich habe keinen auch noch so kleinen Blechschaden als Folge dieses Events gesehen. Und zu Hause hatten sie alle etwas zu erzählen und konnten sich blumenreich über die „Zustände wie im alten Rom“ auslassen.........Ma quanto ti „odio“ mia bellissima Roma! Kindermund...
In der heißen Sommerzeit lassen sich italienische Restaurants immer wieder Neues einfallen, um die Gäste die Schwüle nicht zu sehr spüren zu lassen. So sind einige Lokale dazu übergegangen, in zeitlichen Abständen immer wieder gekühlten Wasserdampf zu versprühen, der sich angenehm kühl auf die Haut legt und die Temperatur sinken lässt. Wer es nicht kennt, ist erst einmal erschrocken ob der kühlen Dusche.
Reaktion eines etwa 5jährigen am Nachbartisch: „Hier hat wohl ein Eisbär gepupst!“ Der neue Hund oder: Vorbereitung ist das halbe Leben...
Eine Hündin aus der Umgebung liefert immer wieder ihre neuen Welpen in unserem italienischen Golfclub ab. Sie verteilt sie clever einen nach dem anderen im Gelände, verschwindet mit dem Rest der Welpen, legt den nächsten an einem anderen Grün ab und kehrt am Ende unbeschwert nach Hause zurück. Es wird, wie man sich denken kann, immer schwieriger, ein Herrchen/ Frauchen für die Kleinen zu finden, auch der tierliebste Club ist irgendwann am Ende.
Vom letzten Wurf - immerhin 6 Welpen – waren dieser Tage noch drei übrig, gut in einem inzwischen angelegten Freigehege untergebracht. Die anderen hatten bereits ein Heim gefunden. Heute nun hatte sich eine Golfer- Familie entschieden, einen der Kleinen mitzunehmen. Zu viert plus drei Bekannte standen sie um den Zwinger, begutachteten die Kandidaten, diskutierten Vor- und Nachteile Rüde oder Hündin. Dann war die Entscheidung gefallen: die kleine Braune sollte es sein. Jetzt allerdings fing es an schwierig zu werden. Trotz größter Bemühungen gelang es den 7 Erwachsenen nicht, den Hund aus dem Zwinger über den niedrigen Zaun zu heben. Durch die anhaltenden Fehlversuche wurden die Kleinen natürlich unruhig und entzogen sich dem Zugriff. Nachdem zwei der bemühten Hundefänger fast über den Zaun ins Gehege gefallen waren, entschloss sich einer mutig, einfach über den Zaun zu steigen. Die vorher neugierigen Tierchen verkrochen sich ob dieser „Bedrohung“, es setzte eine regelrechte Verfolgungsjagd ein. Schließlich hatte man die kleine Braune, hob sie über den Zaun und eine der Damen nahm sie liebevoll auf den Arm. Ergebnis: die Gute wurde erst einmal kräftig nass, ließ den Welpen vor Schreck los, die Jagd begann von neuem. Natürlich hatte die kleine Braune gegen 7 Erwachsene auf Dauer keine Chance. Nun suchte man das extra mitgebrachte Halsband, das dank guter Vorbereitung natürlich im Auto vergessen worden war. Der Hund, nunmehr „leer“, verhielt sich abwartend. Das Halsband wurde gebracht und angelegt, wogegen der Hund sich verständlicherweise erst einmal wehrte. Er hatte auch gute Chancen, denn das Halsband war auf einen ausgewachsenen Rottweiler und nicht auf einen kleinen Mischling ausgelegt. Ein zwischenzeitlicher Versuch, den Welpen in einer großen Einkaufstasche unterzubringen, scheiterte kläglich. Also, den Hund wieder auf den Arm, inzwischen konnte dieser wieder „liefern“, eine weitere Dame musste mit Fassung tragen, was nunmehr ihr passiert war. Danach fuhr man glücklich ab, der Hund dürfte inzwischen das schönste Körbchen Italiens haben und sich sicher zunehmend wohl fühlen. Das Auto indes dürfte eine größere Innenreinigung brauchen. Dennoch: eine gute Tat, hoffentlich finden die restlichen beiden auch noch Anschluss, die heute Tätigen werden dann beim Einfangen und für den Transport sicher gute Ratschläge und die Adresse einer guten chemischen Reinigung parat haben... Und immer wieder Neapel...
Die Stadtverwaltung von Neapel hat einen umfangreichen Schwindel mit staatlichen Geldern für Behinderte, oder besser falschen Invaliditätsberechtigten aufgedeckt.
Der spektakulärste Fall betrifft eine Großfamilie von 21 Personen, die alle mit erschwindelten Invaliditätsbescheinigungen staatliche Gelder bezogen und damit offenbar gut leben konnten: Der Mann und seine Ehefrau, die drei Kinder, zwei Schwiegertöchter, der Schwager, zwei Großväter des Familienoberhaupts, dessen Mutter, die Schwägerin, zwei angeheiratete Schwiegerväter, vier Vettern, zwei Schwäger des Sohnes und die Schwägerin der Tochter. Mica male, sagen die Italiener, nicht schlecht Herr Specht! Diese jungen Leute von heute...
Aber sie haben, wie man sieht, auch ihre nette Seite.
Am Rande einer italienischen Großstadt fuhr ich dieser Tage stadteinwärts. Es überholte mich eines der unvermeidlichen Motorräder, weiter vor uns ein Bus an einer Haltestelle, bereit abzufahren. Der Motorradfahrer und ich sahen eine ältere Frau, die unter Aufbietung ihrer letzten Kräfte versuchte, rennend doch noch den Bus zu erreichen – sie war nahe am Infarkt.
Der Motorradfahrer bedeutete dem Busfahrer, dass noch ein Passagier unterwegs sei, was diesen allerdings wenig rührte, er setzte zum Abfahren an. Das allerdings ging nicht, denn der junge Mann setzte sich mit seinem Motorrad schräg vor den Bus, ließ die Schimpfkanonaden des erbosten Fahrers über sich ergehen, und die alte Dame erreichte so doch noch den Bus. Mit breitem Grinsen machte der Knabe nun den Weg für den Bus frei, zeigte dem Fahrer noch den internationalen Fingergruß und brauste davon. Jeden Tag ein gutes Werk! In Sizilien ist alles anders...
Mit Freunden waren wir am südlichsten Ende Siziliens, dem südlichsten Punkt Europas und südlicher als Tunis. Wie wir erneut feststellen konnten, ticken die Uhren dort anders, die Menschen haben eigene Verhaltensmuster.
Wir suchten in einem kleinen Ort ein nettes Restaurant, fanden trotz mehrfachen Durchfahrens keines und fragten schließlich eine etwas gelangweilt an der Straße stehende Polizeistreife, 4 Mann hoch. Man nannte uns sofort ein Restaurant, fuhr vor uns dorthin, hielt einen Parkplatz frei und winkte uns aufgeregt hinterher, als wir – nicht ganz sicher, ob das tatsächlich das war, was wir suchten – weiterfuhren. Wir drehten einen weiteren Kringel durch das Dorf; erneut bei besagtem Restaurant angekommen wies man uns so bestimmt ein, dass an ein Weiterfahren nicht mehr zu denken war. Die Streife machte uns mit dem Besitzer bekannt, und das von außen eher unscheinbare Restaurant entwickelte sich bei näherer Betrachtung als ein Glückstreffer mit schönstem Sitzplatz am Meer und bestem Essen. Als ich am Schluss die Rechnung bezahlte, fragte mich der Besitzer, ob ich wie üblich die Kaffees für die Polizei übernähme – ich tat es gerne und mit Schmunzeln, ein Ablehnen hätte ja auch ungeahnte Folgen haben können. Hilfe, ich will nicht gerettet werden
Vor einigen Wochen hat ein illegal Eingewanderter ein junges Mädchen aus dem Tiber gerettet, das sich offenbar das Leben nehmen wollte. Er wurde in den Medien nicht nur als Held gefeiert, er bekam eine offizielle Aufenthaltsgenehmigung, Wohnung und Arbeit.
Das hat wie man liest Schule gemacht. Zwei ältere Herren, die traditionell seit Jahrzehnten einmal pro Jahr nackt ein Bad im Tiber nehmen, fanden sich von bereits wartenden potentiellen Rettern umzingelt, die ihnen androhten: entweder Du lässt Dich retten oder wir hauen mit Deiner Kleidung ab. Sie mussten gute Miene zum bösen Spiel machen und werden in Zukunft ihr jährliches Bad in einer Badeanstalt nehmen. Da man in Rom besonders einfallsreich ist, kann man davon ausgehen, dass demnächst Gelder dafür angeboten werden, sich besonders spektakulär retten zu lassen. Mal eine andere Art von Visa- Schwindel... EU – war’s das?
Schöne, oder besser: medial griffige Metaphern in Zusammenhang mit dem gescheiterten EU- Gipfel in Brüssel machen die Runde. Der wohl treffendste ist: „Einigkeit in der Ratlosigkeit“.
Wenn selbst der Gipfel keine Einigung findet, wenn man sich für die Verfassung eine Denkpause von einem Jahr verordnet, wenn man sich dort nicht einigen kann, wo die Nagelprobe gefragt ist, bei den Finanzen, dann heißt das im Klartext und ohne politische Schönrederei: wir sind gescheitert und wir wissen nicht weiter. Der Teppich ist hochgehoben, unter den man so vieles gekehrt hatte. Was zum Vorschein kommt, ist erschreckend ärmlich. Die Gründe? Wohlklingende Integrationsversprechen unterlaufen von nationalen Egoismen, politische Egozentrik statt echte Wertegemeinschaft, Schielen auf nationale „Einschaltquoten,“ was das gemeinsame Ziel letztlich auf tönerne Füße stellte. Eine EU- Kommission, die den Italienern vorschreiben will, „wann der Fisch in der Pfanne gewendet werden muss“, Überregulierungen ohne jeden Sinn und Verstand; manche sprechen von Brüsseler Selbstbeweihräucherung und Hybris, auf jeden Fall eine Politik komplett an den Menschen vorbei, die letztlich Europa ausmachen. Nun haben wir den Salat! Hoffnung für die Zukunft? Vielleicht lernen Politiker (in den Hauptstädten und in EU-Brüssel) ja; solange die jetzigen Akteure dort tätig sind, ist allerdings kein Grund zu großen Erwartungen; welcher Politiker gibt denn zu, total „verwachst“ zu haben. Dazu gehört eine Menge Größe..... Ein Jahr Denkpause, das dürfte ein langes Jahr werden. Wo könnten neue Anstöße erfolgen, was sie glaubhaft und nachhaltig erzeugen? Im Grunde sehe ich nur zwei Wege: Entweder Europa gerät so unter Druck, dass eine schnelle und tatsächliche Integration ultima ratio wird, der einzige Ausweg aus ansonsten aussichtsloser Lage. Eine echte Bedrohung von außen, die keineswegs militärisch sein muss, auch die von allen erkannte Notwendigkeit, wirtschaftlich überleben zu können (von weltweiten Marktanteilen und Einfluss mag man zur Zeit gar nicht sprechen) könnte ein neues (?) Element werden. Oder aber – und die Dinge schließen sich nicht gegenseitig aus – wir bekommen wieder Politiker mit Visionen, neue Schuman, Adenauer, de Gasperi, Menschen, die strategisch denken und handeln statt sich als „quick-fix-manager“ heutigen Zuschnitts auszubluten. Was, so muss man sich fragen, was denkt man wohl in den „neuen“ EU- Mitgliedsstaaten in Mittel- und Osteuropa, die mit so viel Elan und Hoffnungen die Aufnahme in die EU verfolgt und erreicht haben? Eine andere Metapher von heute spricht davon, „das Schiff EU fahre zwar derzeit nicht, es sei aber auch nicht untergegangen“. Fein gesprochen, aber eben wieder nicht zu Ende gedacht: ein Schiff ohne Fahrt, zumal ohne fähige Steuerleute, ist dem kleinsten Wetter mehr oder weniger hilflos ausgesetzt. Und die Wetter werden kommen, dafür wird die Konkurrent weltweit genüsslich sorgen. Quo vadis, Europa? Bist Du noch ein mit aller Macht und geschickter Regie erreichbarer Traum oder eben doch nur „un chateau en Espagne“............. Und vergessen wir eines nicht: die Generation der Nachkriegszeit, für die der Gedanke an ein einiges Europa politische Religion war und ist, sie macht langsam aber sicher einer neuen Gesellschaft Platz, die anders denkt, andere Schwerpunkte setzt, ein anderes geschichtliches Bewusstsein hat: Der Generation, bei der der Strom aus der Steckdose kommt und bei der viele nach dem Motto vorgehen „lieber jetzt gut leben, dafür etwas länger“. Viel Zeit haben wir nicht, Europa doch noch zu dem zu machen, was den zitierten großen Politikern der 50er Jahre vorschwebte. Volkes Stimme
Wie bekannt scheiterte am Sonntag/Montag in Italien ein Referendum, das zum Ziel hatte, die Bestimmungen über künstliche Befruchtung und parallele Themen zu erleichtern. Statt der erforderlichen 50% gaben nur etwa 25% ihre Stimme ab. Die Positionen der Politiker waren sehr geteilt, eindeutig jedoch die Haltung der Kirche mit Papst Benedikt XVI an der Spitze. So gesehen war es keine Überraschung, dass sich die überwiegende Mehrheit der Stimme enthielt, der Wahl fernblieb und so das Referendum zum scheitern brachte.
Interessant in diesem Zusammenhang ist eine – wie üblich handschriftliche – Danksagung auf dem Stein im Zentrum Roms, dem sogenannten Grillo Parlante, wo anonym Meinungen verbreitet werden. Ein Schreiber bedankte sich bei Benedikt dem XVI für seine klare Haltung, er habe sich bereits kurz nach Amtsantritt mit diesem „Wunder“ den ersten Schritt zu Heiligsprechung verdient. Im übrigen mehren sich die Stimmen, die sagen, wie schade, dass wir nicht über die EU-Verfassung haben abstimmen dürfen, es wäre eine schöne Chance gewesen, den Franzosen (und Deutschen) zu zeigen, dass Italien seine eigene Stimme in der EU erheben möchte. Über EU-Brüssel, Paris und Berlin schüttelt man nur noch den Kopf, das Thema einer Verankerung klarer christlicher Traditionen und Bindungen findet neue Nahrung. Sollte das „Paket Verfassung“ nochmals aufgeschnürt werden, wird es hier einen Zankapfel geben, bei dem sich einzelne Länder nicht mehr unter Berufung auf ihre nationale (!) Trennung von Kirche und Staat werden durchsetzen können. Es ist anzunehmen, dass der derzeitige EU-Gipfel bestenfalls fromme Wünsche kreieren wird, im Kern ist der bisherige Ansatz EU mausetot, und die Totengräber sitzen dort, wo nationale Hybris zu eigener Bestallung als Führer der EU geführt hat. Politik, so sagte man früher, ist die Kunst des Möglichen. Auch jetzt geht es darum zu erkennen, was mittelfristig möglich und einvernehmlich regelbar ist. Es wäre gescheiter gewesen, einen EU-Gipfel erst dann stattfinden zu lassen, wenn Aussicht auf erfolgreiche Schritte gegeben ist. Die EU ist derzeit bestenfalls ein „lame duck“, hektisches Schnattern bringt uns derzeit sicher nicht weiter. Die Lokomotiven haben versagt, ist es die Stunde der Wagons und ihrer Insassen ? Oder sollten sie erneut „den Mund halten“ wie mancher das gerne möchte? O tempora o mores
Die Dinge entwickeln sich – leider – wie in meinem letzten blog vorhergesagt. Die Niederlande haben mit noch größerer Mehrheit gegen die EU-Verfassung gestimmt als die Franzosen, Großbritannien verschiebt ein Referendum ohne Angabe eines neuen Termins, in Polen mehren sich die Stimmen der Gegner, die EU in Brüssel ist rastlos ratlos – für eine im Grunde unveränderte Fortsetzung der bisherigen Politik treten ausgerechnet die ein, die die klaren Verlierer der letzten Tage und ihrer Entwicklungen sind: EU-Brüssel (was sollten sie auch anderes machen, wollen sie nicht Konkurs anmelden), Paris und in dessen treuem Gefolge Berlin (das heutige, im Herbst könnte ein neuer Wind wehen).
Parallel zu diesem Desaster kündigt Frankreich an, auch 2005 erneut die Maastricht- Vorgaben zu verletzen, von Deutschland wusste man das bereits zuvor. Die Begründung aus Paris, die Schaffung von Arbeit in Frankreich müsse Vorrang vor Maastricht haben, ist sicher nicht falsch, sie zeigt aber mehr als offenkundig, was EU- Vereinbarungen wert sind, wenn es im eigenen Lande kritisch wird. Gleichzeitig kündigt Brüssel vollmundig Sanktionen gegen Italien an, wenn man auch in Rom erneut die 3 % übersteigen sollte. Ein paar ganz Aberwitzige stellen sogar den EURO in Frage und denken laut über die (ggf. parallele) Rückkehr zu ihrer früheren Landeswährung nach. Ein weiteres wird immer klarer: es ging und geht gar nicht um die EU-Verfassung, die im Grunde nur den Schauplatz und das Vehikel des politischen Dissens darstellt. Die Referenden haben den „Sack geschlagen, ab den Esel gemeint“. Wäre das Ganze nicht tragisch, könnte man ihm den Charakter einer Burleske nicht absprechen. Dennoch, ich komme auf meine frühere Bewertung zurück: die Sache hat auch ein Gutes. Wir sehen endlich, auf wie unglaublich dünnem Eis die EU (besonders in ihrer Zeitraffer-Erweiterung) sich befindet. Kommt es zu internen Schwierigkeiten, gelten die Abmachungen der EU nur noch bedingt oder werden als marginal, zumindest aber als nachrangig abgetan. Es bleibt abzuwarten, ob im Zuge dieser katastrophalen Entwicklung auch das den Bach hinuntergeht, was eigentlich langfristig wichtig ist: die Einigung Europas. Ob sich nicht mancher in den neuen Beitrittsländern fragt „worauf habe ich mich da nur eingelassen“.... Quo vadis Europa
Nun hat also auch Holland eindeutig gegen die EU- Verfassung gestimmt, nach dem Ergebnis von Frankreich sicher alles andere als überraschend, selbst wenn die internen Gründe nicht unbedingt identisch sein müssen.
Die Frage ist nun: Quo vadis Europa? Weitermachen und auf mehr als 20 zustimmende Nationen Ende 2006 warten? Augen zu und durch? Einen neuen Anfang suchen? Retten was zu retten ist oder rette sich wer kann? Festzustehen scheint jedenfalls im Moment: Diese (!) EU Verfassung ist nicht tragfähig. Es ist den Politikern in zumindest zwei EU- Ländern nicht gelungen, diese Verfassung plausibel und zustimmungsfähig zu machen. Es fehlen Visionen, überzeugende Strategien und politische „Leader“, die die im Grunde richtigen Inhalte glaubhaft transportieren und dem Wähler überzeugend vermitteln können. Großbritannien könnte tatsächlich zum Ergebnis kommen, ein Referendum von der Tagesordnung zu nehmen - warum sich ohne Not „verbrennen“. Nicht auszuschließen, dass weitere EU-Mitglieder denselben Weg beschreiten. Die Möglichkeit, Ende 2006 tatsächlich mit weniger als 20 zustimmenden Ländern zu kommen, nimmt Formen an. Die Absicht der EU-Institutionen, den Ratifizierungsprozess weiterzuführen als sei nichts geschehen, zeugt von Ratlosigkeit und wirkt eher wie das „Pfeifen im Walde“. Für Euroskeptiker eine totale Bestätigung, für überzeugte „Europäer“ (zu denen ich mich zähle) eine peinliche Pleite. Vermeidbar? Ich meine ja. Besser vorbereitet, verständlicher und volksnäher definiert und transportiert, hätte diese Situation des Impasse vermieden werden können. Der schnelllebige Tagespolitiker arbeitet offenbar am Betroffenen vorbei, hat den Kontakt zur Realität und zum Realisierbaren verloren. EU-Brüssel wird nicht als Segen und Chance, sondern eher als Gefahr betrachtet. Man managt und administriert statt zu planen, agiert kurzfristig mit taktischen Zielen für morgen (die eigene Wiederwahl ?) statt strategisch vorzugehen. Einschläge der Art von Paris und Den Haag kann auch ein strategisch richtiger und unverzichtbarer Gedanke wie der der Einigung Europas über den EURO hinaus nicht verkraften. Es besteht zunehmend die Gefahr, dass der „win-win“ Gedanke Europa ein „lose-lose“ Gesicht bekommt. Damit wäre ein hehres und großes politisches Ziel bis auf weiteres nicht mehr erreichbar, zumindest in Frage gestellt. Was tun? Frankreichs Glaubwürdigkeit als Motor der EU dürfte zunächst reduziert sein. Ähnliches könnte (trotz der Zustimmung des Bundestages) für Berlin zutreffen, das in den letzten Jahren Paris als eine Art Juniorpartner gefolgt ist. Dies mag sich ändern, wenn in Deutschland dieses Jahr eine neue Regierung kommt, die unbelastet an die Frage herangehen und ihre eigene Identifikation glaubhaft darstellen kann – was ich fest glaube. Ist es die Stunde derer, die nicht unbedingt zu den „Großen Drei“ in der EU zählen? Italien zum Beispiel? Können hier neue Impulse, langfristig tragfähige neue Ansätze gefunden werden? Ich schließe das nicht aus, und im Endeffekt zählt der Erfolg für Europa, die Vaterschaft eines erfolgreichen Fortgangs der Entwicklung Europas ist zwar schmeichelhaft aber keineswegs entscheidender Aspekt. Und die USA? Hier wird man zwiespältig auf die Ereignisse sehen. Die eine Seite wird „frohlocken“ und sagen: wir wussten es immer – much noise, but where is the beef! Mit gewisser Genugtuung wird man vermerken, dass der erste Schritt des Misserfolgs ausgerechnet von Frankreich ausgegangen ist, die Entscheidung zu Gunsten von de Villepain als neuem Premier in Frankreich wird viele Amerikaner an dessen Haltung in Verbindung mit dem Irak- Unternehmen erinnern und (gesunde?) Skepsis zur Folge haben. Wer allerdings in den USA über den Tag hinaus denkt, muss die Entwicklung eher mit Bedauern sehen, denn nur ein einiges Europa wäre langfristig der Partner, denn die USA auf der weltweiten Bühne der Zukunft dringend benötigt. Vivent les francais - ein guter Tag für Europa
So paradox das auf den ersten Blick klingen mag: die Entscheidung der Mehrheit der Franzosen gegen die derzeitige Europäische Verfassung könnte langfristig ein guter Tag für Europa sein und sollte diejenigen, die – ohne dem Erfolgsdruck der Tagespolitiker unterworfen zu sein – den Gedanken an ein geeintes Europa verfolgen, eher hoffen als bangen lassen. Es ist mehr noch als bis heute anzunehmen, dass nun auch die Niederländer gegen die europäische Verfassung stimmen werden. Damit ist – ungeachtet der abwiegelnden Bewertungen mancher Politiker - zunächst eine Bremse eingelegt; der europäische Gedanke aber ist sicher nicht verloren sondern er bekommt m.E. eine neue Chance, die es dann allerdings mit mehr Augenmaß und mit der nötigen Geduld zu verfolgen gilt. Natürlich ist die heutige Entscheidung in Frankreich auch eine interne Abrechnung mit der regierenden Klasse des Landes, sie aber an innenpolitischen Problemen festzumachen wäre gleichermaßen falsch wie „Augenauswischerei“.
Die vorliegende und zur Abstimmung stehende Verfassung ist einfach zu schnell zusammengeschmiedet worden, der schnelle politische Erfolg derer, die sie vorangetrieben haben, war nicht tragfähig. Wir haben die Währungseinheit, wir haben hehre und richtige Ziele einer weiteren politischen Integration, einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, aber der einfach zu dünne gemeinsame Nenner reicht bis auf weiteres nicht aus. Wenn die Hauptstädte über eine Wertegemeinschaft sprechen, sehen zu viele nach wie vor durch eine nationale Brille. Die Tatsache, dass es nicht gelungen ist, gemeinsame christliche Werte ganz selbstverständlich als integralen und unverzichtbaren Bestandteil abendländischer Kultur im Text festzumachen, ist ein für jedermann offenkundiger Beweis. Natürlich braucht ein Zug Europa Lokomotiven – nur sollten sie auf die Wagons Rücksicht nehmen und zur Kenntnis nehmen, dass manche der Wagons bereits weitgehend leer fahren....... In Großbritannien wird man frohlocken, italienische Zeitungen schrieben seit Tagen, eine negative Abstimmung in Frankreich sei keineswegs ein schweres Übel, man könne dem eher etwas Positives abgewinnen. Die neuen EU-Staaten werden sich an die Zeit vor Ausbruch des Irak- Krieges erinnern, als Chirac ihrer US-freundlichen Haltung entgegenhielt, sie hätten eine „Gelegenheit verpasst, den Mund zu halten.“ Einer der Promotoren der Verfassung, dieser Verfassung, hat einen Kolbenfresser. Es steht mir nicht an, über die etwaigen inneren Verwerfungen zu spekulieren, denen sich Frankreich ausgesetzt sehen dürfte. Gut ist, oder besser: zu hoffen ist, dass man in Paris darüber nachzudenken beginnt, ob Europa französischen Denkmustern folgen muss oder sich in einer tatsächlichen Gemeinschaft gleichberechtigter Mitglieder harmonisch und in verdaulichen Schritten entwickeln darf. Die Achse Paris - Berlin, schief wie sie sich in den letzten Jahren treuer Berliner Gefolgschaft entwickelt hat, ist ebenfalls heißgelaufen, die strategisch gute Ölung – um im Bild zu bleiben – der Zeiten Kohl/ Mitterand fehlte. Ohne Zweifel ist das gute deutsch - französische Verhältnis nicht nur eine großartige historische Errungenschaft und einer der Basisfaktoren für die Entwicklung Europas; die Annahme allerdings, sie sei die eigentliche Seele und mit ihr könne man alles durchsetzen, macht die Rechnung ohne die übrigen Europäer – und offenbar auch ohne die französischen Wähler. Es ist eine Sache, in der NATO und der EU „à la carte“ zu speisen, eine andere ist es, auch noch das Menu bestimmen zu wollen. Das christliche Abendland hat Jahrhunderte gebraucht sich zu entwickeln. Lassen wir dem Europa der Zukunft die Zeit, die es braucht, um tragfähig zusammenzufinden. Vielleicht sollten sich manche ein wenig zurücknehmen und auch für ein geeintes Europa die Maxime „liberté, fraternité, égalité“ zur Anwendung bringen. Vertrauen im Alltag.......
Am Blumenstand, wo man schon öfter gekauft hat ohne wirklich bekannter Stammkunde zu sein. Nachdem man einen schönen Strauß ausgesucht und hat einpacken lassen, stellt man fest: Portemonnaie vergessen. „Macht nichts, Signora, bezahlen Sie einfach beim nächsten Mal, wann immer das sein mag“ .
Selten erlebt.......
Von den Toskanern sagt man, sie können „gut mit Geld umgehen“. Sie selbst sagen von sich, sie seien keineswegs geizig; geizig sei man in Genua, in der Toskana „halte man nur das Geld zusammen“.
Vor einigen Tagen trank ich einen Cappuccino in einer Bar in Lucca und wurde so Zeuge folgender Szene: Ein älterer Italiener betrat die Bar, kaufte 3 Päckchen Zigaretten, bezahlte 10 Euro, bekam einen wieder, nahm seine Zigaretten und verließ die Bar. Eine Minute später kam er zurück, zeigte die Päckchen vor und sagte: „Ich habe 3 gekauft und bezahlt, Sie haben mir aber 4 gegeben, Signora“. Die Verblüffung im Gesicht der Besitzerin war komplett: „Nun betreibe ich diese Bar seit 3 Jahrzehnten, aber so etwas ist mir noch nicht passiert. Wissen Sie was: ich schenke Ihnen die vierte Packung für Ihre Ehrlichkeit!“ Beide hatten sicher einen schönen Tag und ein „gutes Gefühl“. Und ein älterer Stammgast der Bar brummelte vor sich hin: „Da sieht man es wieder, wir sind eben keine Genueser“. Habemus Papam - Wir haben einen Papst
In einer gleichermaßen prunkvollen wie würdigen Feier wurde gestern in Rom Papst Benedikt XVI. offiziell und vor aller Welt in sein hohes Amt eingeführt, rund 400.000 Menschen auf dem Petersplatz bis in die Via della Conciliazione hinein, weitere Zigtausend an den großen Fernsehschirmen in ganz Rom, wahrscheinlich Milliarden vor den Fernsehern in aller Welt.
Wer nach den ersten Begegnungen mit dem neuen Heiligen Vater immer noch behauptet, dieser sei ein ausschließlicher „Kopfmensch“, ein rückwärts gewandter konservativer „Scharfmacher“, handelt wider besseres Wissen oder ist unbelehrbar. Ein scharfer Geist und Intellekt, sicher, aber gleichzeitig und wohl auch gleichermaßen ein an Güte und glaubhafter, unverwechselbarer Demut unübertrefflicher Hirte der großen Kirche. Ein Hirte, dem die Kirche folgen und ihn stützen wird, ein Hirte auch, der unermessliche Möglichkeiten einer breiten Verständigung in einer Zeit schaffen kann – und offenbar auch will -, die durch Egoismen geprägt ist, in der es als zeitgemäß angesehen wird, alles zu relativieren und in Frage zu stellen und grundlegende und unverrückbare Ordnungen und Wahrheiten als Knebel des emanzipierten Menschen von heute anzuprangern. Sicher wird und muss er die unverbrüchlichen Werte der katholischen Kirche bewahren, Schritte der Öffnung behutsam und mit Blick auf ihre Langzeitwirkung bewerten; hier geht es schließlich nicht um das „Tafelsilber“ wie in der Politik, es steht einfach mehr und wichtigeres auf dem Spiel. Dieser Heilige Vater ist nach meiner festen Überzeugung eine „gottgegebene Chance“, insbesondere nach dem Wirken seines großen Vorgängers. Wir hatten das große Glück, auch diese Feier mitzuerleben wie bereits seine Proklamation vor einigen Tagen. Beeindruckend, ergreifend ob der schlichten Ehrlichkeit, Demut und Lauterkeit, die aus seinen Worten spricht und diejenigen ermutigt und „eingenommen“ hat, die unmittelbare Zeugen sein durften. Beeindruckend aber auch Kleinigkeiten am Rande: Neben den vielen Transparenten, die auf dem Petersplatz zu sehen waren, fiel mir eines besonders auf, obwohl es weniger groß war als viele andere: eine junge italienische Familie, Vater, Mutter und zwei Kinder trugen ein selbstgefertigtes Plakat mit sich mit der Aufschrift „A me sta bene che il mio pastore sia Tedesco, Viva Benedetto XVI“ – mir ist es Recht, dass mein Hirte Deutscher ist, es lebe Benedikt XVI. Selbstverständlich? Wohl kaum, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Inthronisierung einen Tag vor der 60 Jahre-Feier der Befreiung Italiens vom Faschismus stattfand. Ein weiteres ermutigendes Zeugnis dafür, dass die Gläubigen in ihrem Heiligen Vater den Menschen suchen, dem sie vertrauen und folgen wollen. Und ich bin sicher, sie, nein besser: wir haben ihn in Benedikt XVI gefunden. Und eine letzte Randbemerkung: Kurzatmige Politiker in aller Welt, von Termingeschäften mit kurzfristiger Rendite getrieben und auf eitle Einschaltquoten getrimmt, werden damit rechnen müssen, dass er seine Stimme erheben wird. Una Sancta - Habemus Papam
Ob es nun der Heilige Geist oder die Hand seines großen Vorgängers war: Das Konklave wählt Kardinal Ratzinger zum neuen Papst, und dies bereits im 4.Wahlgang, das heißt mit 2/3 Mehrheit.
Für uns Deutsche eine große Ehre, mehr noch ein wichtiges Zeichen, dass das Herkunftsland Deutschland endgültig nicht mehr als Argument gegen ein Amt dieser Bedeutung zählt, wenigstens dort, wo man in großen Dimensionen und Perspektiven denkt. Weit wichtiger aber ist die Tatsache, dass mit Benedikt XVI. eine herausragende Persönlichkeit ins Amt berufen wurde, die mehr als jeder andere Gewähr dafür bietet, dass Kontinuität im positiven Sinne herrschen wird, in wesentlichen Bereichen die Ansätze seines Vorgängers Fortsetzung finden und die „Una Sancta“ sich nicht ins Belieben dessen stellt, was Politiker so gerne „Volkes Stimme“oder Zeitgeist nennen. Ich bin sicher, dass der neue Heilige Vater weit reformwilliger ist als das seine zum Teil gut, zum anderen Teil erbärmlich argumentierenden Kritiker in apodiktischer Form vorhersagen. Dennoch werden und müssen Öffnungen der Katholischen Kirche langsam und sehr behutsam erfolgen, auch deshalb, weil es nie Schritte zurück geben kann. Sie steht auf einem Felsen, nicht auf Treibsand. Darin – unter anderem – unterscheidet sie sich von der weltlichen Partei-Politik, die grotesk kurze Halbwertzeiten ihrer Programme und Strategien, ja sogar ihrer „Wahrheiten“ akzeptiert oder dies gar als fortschrittlich und besonders demokratisch zelebriert. Die Katholische Kirche denkt – Gott sei Dank – nicht in Legislaturperioden und Polit-Barometern, sie denkt und lenkt nicht im engen nationalen Stil, sie ist und muss immer Weltkirche bleiben. Insofern relativieren sich die Kritiken derer, die „im Zorn zurückblicken“, auch wenn die Küngs und Drewermanns in unseren deutschen Medien dieser Tage einen ihnen nicht mehr zustehenden Stellenwert haben. Es ist schon bemerkenswert, dass wir Deutschen eine wohl außergewöhnliche Ader dafür haben, die Freude einer weltweiten Gemeinde aus unserer Froschperspektive und dem Anspruch, letztlich alles besser zu wissen, in Frage zu stellen. Schade, dass die Berufskritikaster nicht die Proklamation in Rom miterlebt haben. Der Jubel über die getroffene Wahl und die ersten Worte des Heiligen Vaters hätten sie vielleicht etwas nachdenklich gemacht, wenigstens für ein paar Minuten. Und das wäre ja schon „metà dell’opera“. Vielleicht sollten sich manche ein Beispiel am Vorsitzenden der Evangelischen Bischofskonferenz nehmen, dessen Kommentar im Fernsehen am Proklamationstag ich ausgezeichnet weil konstruktiv denkend fand. Im Gegensatz dazu ist manch anderer Kommentar „gewogen und zu leicht befunden“. In einem römischen Bus...
Dieser Tage fuhr ich mit einem römischen Linienbus, um in einem Vorort etwas zu erledigen. Normaler Werktagsbetrieb, der Bus gut besetzt. Direkt vor mir zwei ältere Damen, vielleicht sollte ich besser sagen: Frauen. Alles ging ruhig und gemütlich zu, bis ein junger Mann fast selbstvergessen vor sich hin sagte: „O Gott, nun weiß ich gar nicht, welchen Bus an welcher Haltestelle ich für die Weiterfahrt nehmen muss“. Wie auf Kommando begannen die beiden „vecchiette“ auf ihn einzureden. Unzählige Vorschläge, die meisten kontrovers diskutiert, in der Lautstärke und Sprechgeschwindigkeit stets eskalierend – die Empfehlungen hätten für eine Fahrt bis Peking und zurück gereicht. Zum Schluss wusste natürlich niemand, welches nun tatsächlich die günstigsten Anschlüsse gewesen wären, schon gar nicht der arme junge Mann, der sich längst sprachlos und widerstandslos seinem Schicksal ergeben hatte. Artig dankend, was sein einziger Beitrag zum Tumult war, stieg er aus, sichtbar erleichtert, der Hilfsbereitschaft lebend entkommen zu sein.
Kaum war er ausgestiegen, hörte ich die eine zur anderen sagen: „Unglaublich diese jungen Leute von heute. Da will man nur still mit dem Bus fahren, und dann so etwas“...... 08.03.2005 Irgendwo zwischen Hilfsbereitschaft und Präzision...
Genau das ist das Areal, in dem sich der typische Italiener (wenn es ihn denn gibt) aufhält, besonders, wenn Sie im Lande weiter nach Süden kommen.
Im Norden des Landes können Sie davon ausgehen, dass man Ihnen, fragen Sie etwa nach einer Straße, entweder eine absolut genaue Auskunft gibt oder Ihnen mehr oder weniger deutlich sagt, das wisse man nicht – gleichbedeutend mit: ist mir auch egal, kümmere Dich selbst darum….. Wie anders ist dies doch in Rom. Kein Römer würde Ihnen sagen, die Straße oder den Weg dort hin kenne er nicht, als wäre es gegen die eigene Ehre, die eigene Unwissenheit einzuräumen. Der typische Römer, der „Romano Romano“ (wenn es ihn denn noch gibt) wird Ihnen blumenreich erklären, wie Sie am besten zu der Adresse kommen, wo es unterwegs den besten Cappuccino gibt und welche Altertümer man unbedingt unterwegs sehen müsse. Dabei kann es sein, dass er nicht den blassesten Schimmer hat, wo die besagte Straße ist. Er bleibt de facto unpräzise – das aber, wie ich es neulich trefflich definiert hörte, auf charmanteste Art. Es kann Ihnen passieren, dass Ihnen sein netter Vortrag wichtiger wurde als das Suchen der Straße ....... Ente gut, alles gut?
Unser Golfclub hat sich in den letzten Jahren sehr schön weiterentwickelt, ist sehr gepflegt und – in Italien nicht immer die Regel – dank einer ausgeklügelten neuen Bewässerungsanlage auch im heißen und trockenen Sommer stets gut in Schuss. Nunmehr hat ein tierliebendes Mitglied dort an einem der Seen 6 Enten und nachfolgend 2 Schwäne etabliert und im See eine schwimmende Insel für die Tiere gebaut.
Die überwiegende Mehrheit findet diese neue Errungenschaft nett, belebend, und füttert die Tiere mit großer Hingabe. Einige wenige sind anderer Meinung, beschweren sich über die unvermeidbaren „Hinterlassenschaften“ der Tierchen auf den Fairways um den See herum – mit anderen Worten: einige meckern, vielleicht weil es nicht ihre Idee war. Vor zwei Wochen fehlte plötzlich eine der Enten. Großes Bedauern bei der Mehrheit, Frohlocken bei den Gegnern. Es wurde viel spekuliert und man einigte sich darauf, die habe wohl ein Fuchs stibitzt und das sei eben der Gang der Natur…Nur ganz vereinzelt und wohl auch nicht ganz ernst gemeint kam der Verdacht auf, sie sei in der Backröhre eines der Meckerer gelandet. Die Spekulationen wurden jedoch deutlich angeheizt, als nunmehr auch eine der Schwäne verschwand, denn der passt in keinen Backofen, und auch die härtesten Verfechter der Antibewegung würden wohl keinen Schwan verzehren, in Italien so unüblich wie sonst wo. Und so gleitet die Diskussion langsam aber sicher weg vom „Mundraub“ hin zu „krimineller Energie.“ Ein Ende ist nicht abzusehen, und jeden Morgen zählen mindestens 100 Spieler auf der Runde die Enten und den Schwan. Hoffen wir, dass das Verschwinden tatsächlich natürliche Hintergründe hat, ansonsten „schwant mir Übles“....... Mal wieder: Rauchverbot
Wie mehrfach berichtet, beschäftigt das Thema das italienische Alltagsleben weiter. Nunmehr mit „Blüten“, die zwar auch einfallsreich sind, aber wohl weniger im Sinne des „Erfinders“.
Besonders Schlaue haben einen neuen Weg gefunden, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Es häufen sich Klagen von Restaurant-Besitzern, die das neue Verbot strikt anwenden, über folgenden Missbrauch durch Gäste: Diese genießen eine außergewöhnlich teure und opulente Mahlzeit, bestellen nach dem Hauptgang ein ausgesucht teures Dessert mit Cognac oder einem anderen stets hochwertigen Digestivo, melden sich dann zur Erleichterung der Besitzer kurz für eine schnelle Zigarette vor dem Restaurant ab – und wurden nie mehr gesehen……… Wie man sehen kann, ist der viel zitierte mediterrane Genius eben nicht nur den Anständigen vorbehalten. Latin Lover – oder lieber doch nicht?
In meinem Golfclub beherrschte heute ein Thema die täglichen Diskussionen. Ein offensichtlich durchaus ernst zu nehmendes Italienisches Journal hatte über einen angeblichen Zusammenhang zwischen lassen Sie es uns sexuelle Energie nennen und allgemeiner Intelligenz hergestellt. Im ersten Teil der Studie, der die genannten „sexuellen Interessen und Fähigkeiten“ behandelte, fühlten sich alle Italiener geschmeichelt oder einfach „bestätigt“, als ihnen im europäischen Vergleich eine hohe Position (manche klagten auch klar die Spitzenposition ein) zugeschrieben wurde. Strittig wurde die chose, weil im zweiten Teil der Studie behauptet wurde, der Preis hierfür sei statistisch gesehen ein Verzicht auf allgemeine Intelligenz.
Lassen wir den wissenschaftlichen Wahrheitsbeweis einfach beiseite: genau betrachtet konnte ich auch bei guten Bekannten und Freunden aus diesem Lande nicht erkennen, auf welcher Seite sie sich gerne sähen, gehen sie doch – wie wir ja auch – nach dem Motto vor „den Teig essen und den Kuchen dennoch backen“. Einfallsreichtum.....
Mehrfach habe ich in verschiedenen Zusammenhängen über italienischen (oder sollte man sagen „mediterranen“?) Einfallsreichtum berichtet. Nunmehr gibt es einen neuen Fall besonderer Art., wie der „Corriere della Sera“ berichtet:
In einer Keramikfabrik in Cerveteri mit „Joint Ventures“ in Canino und Brescia wurde durch die Fiamme Gialle (die italienische Zoll- und Finanzbehörde) ein ausgeklügelter Schwindel aufgedeckt. Die drei Firmen hatten arbeitsteilig eine attische Vase, eine so genannte Kylix, hergestellt und sie durch Bombardieren mit Röntgenstrahlen (genutzt wurden herkömmliche Geräte aus der Krankenbehandlung) so altern lassen, dass sie durch alle Expertenkreise hindurch dem 6. Jahrhundert vor Christus zugeordnet wurde. Eine ganz besondere Ausgabe deshalb, weil sie eine der wenigen (man weiß von zweien, eine im Louvre, die andere in Rom in der Villa Giulia) von den beiden damals bekanntesten Künstlern auf dem Gebiet signierten war. Das Produkt hatte zuletzt sogar die positive Expertise des British Museum in London erhalten, der entsprechende Markt von der Schweiz bis Japan und den Emiraten war „hinter dem Objekt her“. Nachfolgende Untersuchungen ließen den Schwindel auffliegen, da man im Material der Vase praktisch kein Chrom und Nickel fand, wie sie in attischen Vasen normalerweise üblich sind. Bleibt nebenbei zu berichten, dass man natürlich eine Menge anderer Falsifikate „in statu nascendi“ gefunden hat und die gesamte Bande festgenommen wurde. Um ein Haar und ohne die findigen Beamten der Fiamme Gialle wäre die Vase heute wohl Prunkstück eines renommierten Museums irgendwo auf diesem Globus oder als Eigentum eines reichen Sammlers in einem Safe (ob dieser Privatmann jemals zugegeben hätte, Opfer eines cleveren Schwindels geworden zu sein?). Stoff sicher für einen weiteren Krimi im einschlägigen Genre…….. Rauchverbot.....
Ein renommierter Herren-Maßschneider in der Römischen Innenstadt, bekannt dafür, dass dort über Jahrzehnte Personal und Kunden dicke Zigarren geraucht haben, macht im Schaufenster seine Klientel mit einem witzigen Schild darauf aufmerksam, dass es nunmehr leider auch hier mit dem blauen Dunst ein Ende haben musste:
SMOKING si, ma solo su misura (nur nach Maß).
Obdachlosenschicksal mal anders.....
Vor einiger Zeit hatte ich über einen Obdachlosen in Rom berichtet, für den über eine Radiosendung das Problem des Überwinterns schnell und menschlich gelöst worden war. Heute nun eine andere Geschichte, zunächst weniger erfreulich, aber letztlich ein weiterer Beweis der Menschlichkeit in der Riesenmetropole Rom.
Ein Obdachloser, im Italienischen „barbone“, macht sich sein Übernachtungsquartier im Eingang einer Kirche in der Innenstadt. Entweder wusste er nicht, dass dies das Stammquartier eines Kollegen war, oder er missachtete dies nach dem Motto „wer zuerst kommt…“ Sein Rivale, wutentbrannt, wartet, bis der „Eindringling“ in alle seine Habe gewickelt eingeschlafen war, um ihn dann brutal in Brand zu stecken. In all seine Kleidung, Decken und Kartons gewickelt, kann sich das Opfer nicht schnell genug selbst befreien und steht so hell in Flammen. Soweit der brutale Teil der Story. In diesem Moment, es muss in den frühen Morgenstunden gewesen sein, kommen ein paar junge Leute mit dem Auto vorbei, sehen den Armen, halten an, versuchen das Feuer zu löschen, was ihnen schließlich mit Hilfe eines Feuerlöschers aus einem anderen vorbeikommenden Auto gelingt. So hat das Opfer Glück im Unglück, Dank der Hilfsbereitschaft der jungen Passanten (tun wir den jungen Leuten nicht manchmal Unrecht?) in nicht ganz ungefährlicher Situation. Sie hätten ja auch einfach vorbeifahren oder „gaffen“ können Rauchverbot, die italienische Realität.....
Die Diskussion um das Rauchverbot hat – wie der “Corriere della Sera“ heute berichtet, neuen Zündstoff erhalten. Die Zeitung berichtet über die Tatsache, dass im Römischen Parlament und im Senat weiterhin geraucht wird, nicht nur in den einzelnen Büros oder Arbeitsgruppen, nein auch in anderen, allen Politikern und der Öffentlichkeit zugänglichen Teilen der Gebäude. Ein Abgeordneter wird zitiert „solange hier überall noch die Aschenbecher sind…..“ Er hätte das wohl nicht sagen dürfen: gestern wurden nun sogar im Palazzo Madama die (zum Teil sehr schönen antiken) Messingaschenbecher abmontiert………
Wer allerdings glaubt, die Geschichte ende hier, unterschätzt den italienischen Einfallsreichtum. Medien heutzutage .....
(manche, sollte man der Fairness halber ergänzen) Unter der Überschrift „Die spinnen, die Italiener“ berichtet eine deutsche Agentur über die Absicht der Stadtverwaltung von Latina (zwischen Rom und Neapel), vor dem dortigen Rathaus ein Mussolini- Denkmal anzubringen. Zweifellos sind das „Spinner“, wahrscheinlich sogar mehr als das, letztlich Vertreter gefährlicher politischer Tendenzen, denen es entschieden entgegenzutreten gilt. Die Gegend um Latina ist – bedauerlicherweise – seit Jahrzehnten für ihre extrem rechtsorientierte Haltung bekannt, ansonsten könnte die gewählte Stadtverwaltung ja wohl auch nicht in diese Richtung denken. Wer jemals auf dem Deutschen Soldatenfriedhof in Cassino/Caira zu Kranzniederlegungen am Volkstrauertag war, weiß um diese Konzentration alter und leider auch neuer faschistischer Prägung in der Bevölkerung der Umgebung. Bisweilen bedarf es deutlicher Worte, sich ihrer „Sympathie“ zu erwehren und ihnen unmissverständlich klarzumachen, was man von solchem Gedankengut hält, wie sehr man sich davon distanziert.
Dennoch: ich hätte eine Überschrift vorgezogen, die gesagt hätte „diese (!) Italiener spinnen“. Jede Verallgemeinerung wird Italien nicht nur nicht gerecht, sie ist nahe an einer unzulässigen Verunglimpfung eines Volkes, das zu Recht auf seine demokratische Grundhaltung stolz sein kann – trotz mancher „Ungereimtheiten“, die es natürlich auch hier zu beklagen gibt. Dieses Augenmaß sollte man einfach beherzigen, auch wenn „fetzige“ Überschriften Mode geworden sind und sich eben gut verkaufen. Auch wir haben es nicht gerne, wenn bedauerliche und zum Teil erschreckende Tendenzen unserer deutschen extremen Szene uns allen zugerechnet werden. Nicht dass italienische Medien bei Ereignissen im Ausland hierauf großmütig verzichten würden, dies ist dann aber eben Journalismus derselben „schnellen“ und damit nicht immer der Sache gerecht werdenden Sorte. Römische „Genialität“ .....
Wiederholt habe ich über das neue Rauchverbot in Italien berichtet und dabei die Vermutung geäußert, man werde einfallsreiche Wege finden….. Die Römische Zeitung „Il Messaggiero“ berichtet heute über einen Fall in diesem Zusammenhang:
Ein Herr betritt einen renommierten Laden in bester Lage und interessiert sich für eine im Fenster ausgestellte teure Sache; er möchte wissen, ob der Artikel wie zu dieser Zeit weitgehend üblich im Preis herabgesetzt sei. Nein, das sei nicht der Fall, aber über den Preis könne man durchaus sprechen. Der Kunde zieht eine Packung Zigaretten aus der Tasche und steckt sich zum Entsetzen des Inhabers einen der Glimmstengel in den Mund. Um Gotteswillen, hier darf nicht geraucht werden, ich bekomme eine dicke Geldbuße, das kann ich nicht zulassen. Nein, nein, ich zünde sie ja nicht an, nur der altgewohnte Ritus, die Zigarette aus der Packung zu nehmen und sich in den Mund zu stecken sei ja schon das halbe Vergnügen, und das könne ja wohl niemand verbieten. Kurzum, der Ladeninhaber wird immer nervöser, er sieht andere Kundschaft vor dem Schaufenster und sich selbst schon als Opfer einer gewaltigen Geldstrafe oder gar Schließung des Ladens usw. In seiner Not bietet er den bewussten Artikel unter der Hälfte des Preises an, wird mit dem Fast-Raucher schnell handelseinig, und dieser verlässt mehr als zufrieden den Laden. Verlustgeschäft, aber tiefes Aufatmen – bis der Kunde, der die beiden durch das Schaufenster beobachtet hatte, in den Laden eintritt und sich mit den Worten „Wie schön, hier darf man noch rauchen“ eine Zigarette anzündet. Die Geschichte soll in Rom passiert sein, es könnte auch Neapel oder südlich gewesen sein. Nördlich wohl kaum, da ist man zwar nicht weniger intelligent, aber nicht in diesem Maße „furbo“, wie die Italiener sagen, in diesem Zusammenhang vielleicht am besten übersetzt mit „bauernschlau.“ Und sollte die Geschichte frei erfunden sein, ab morgen wird sie sicher da oder dort in die Tat umgesetzt……… Berlusconis Absichten einer Justizreform
Italiens Ministerpräsident trägt sich mit der Absicht einer umfassenden Justizreform, die u.a. eine deutlichere Trennung der Karrieren von Staatsanwälten und Richtern zum Inhalt hat. Begreiflicherweise wird dies in italienischen Medien diskutiert, je nach politischem Lager mit unterschiedlichen Akzenten. Die Regierungsparteien sehen Handlungsbedarf, da sie die Justiz deutlich links geprägt einschätzen, die Opposition wittert Unheil und sieht die „Unabhängigkeit der Justiz“ in unmittelbarer Gefahr. Dennoch ist es interessant zu verfolgen, dass die ausländischen Medien eher noch mehr Interesse an den Vorgängen entwickeln als Italien selbst, ein im Übrigen nicht ganz neues Phänomen.
Berlusconi und seine Regierungskoalition sehen eine deutliche „Unterwanderung“ der Richterschaft von links und vermuten eine ungesunde politische, genauer: parteipolitische Orientierung dieser Kreise. Ich stehe nicht an, das zu bewerten. Die Frage stellt sich allerdings, ob dies, sollte es denn so sein, ein ausschließlich italienisches Problem ist…… Rauchverbot – Irrungen und Wirrungen……
Das unverändert umstrittene, heftig diskutierte und sicher in weiten Teilen clever umgangene Rauchverbot in Italien trägt erste groteske Blüten: Eine Frau, offensichtlich nicht mehr ganz so verliebt wie ein halbes Jahrhundert zuvor, hat ihren Ehemann angezeigt, der gegen ihren Willen im gemeinsamen Wohnzimmer geraucht hat, wie er dies sicher seit Jahrzehnten getan hatte. Die Polizei erschien, verdonnerte ihn zur Regelstrafe von 27 EURO (da keine Kinder oder Schwangeren in der Nähe waren), konnte das Geld aber nicht eintreiben, da der Mann keinen Cent in der Tasche hatte. Am Ende musste die Ehefrau für ihn bezahlen. Im Sport nennt man das Eigentor …...
Rauchverbot in Italien – the day after……
Heute berichtet die überregionale Zeitung La Repubblica, eine Umfrage habe ergeben, über 90 % der Italiener begrüßten das neue Gesetz. Bei allem Respekt vor der Zeitung, das glaube ich nicht. Mag sein, dass eine Mehrheit dafür ist, 90% jedoch dürfte klar an den Tatsachen vorbeigehen und eine nicht ganz repräsentative Auswahl der Befragten als Ursache aufweisen. In einem Land, in dem sicher um die 30% der Erwachsenen rauchen, kann ein solches Umfrageergebnis nicht hinkommen. Sicher verstehen viele Raucher das Rational des Gesetzes, es aber gleich zu begrüßen wäre nicht italienische Art. Wie sehr der „Wunsch der Vater des Gedankens/der Befragung“ gewesen sein mag, zeigt auch der Hinweis, die Äußerungen einiger führender Politiker, auch in Zukunft rauchen zu wollen, habe „Verwirrung gestiftet“. So etwas verwirrt in diesem Lande niemanden, allenfalls den Verfasser des Artikels. Wie haben wir in guten alten Zeiten gesagt: Ich beobachte weiter…...
Dem Blauen Dunst an den Kragen……
Wie berichtet tritt demnächst (manche sagen am kommenden Montag) das Gesetz in Kraft, nach dem in Restaurants, Bars usw. nicht mehr geraucht werden darf, es sei denn in einem abgeschlossenen Raum mit eigener Belüftung. Nicht nur die Raucher gehen auf die Barrikaden, mehr noch werden das die Eigentümer und Betreiber der Lokale tun, die einfach nicht in der Lage sein werden, den infrastrukturellen Auflagen zu folgen. Sie sollen, so das Gesetz, sogar Kunden denunzieren, die gegen das Verbot verstoßen, ansonsten werden sie selbst „verknackt“- und das nicht zu billig. Nun wird in diesem Land nichts so heiß gegessen wie es gekocht ist, „tanto fumo, pocco arrosto“ (viel Lärm um nichts) ist eine stehende italienische Redewendung, die hier sicher gut passend Anwendung finden dürfte. Wahrscheinlich kommt bald eine Ein-Mann-Ausrüstung auf den Markt mit eigener Raucherkuppel und langem Abzug, der bis auf die Strasse reicht, irgendetwas werden sich diese erfindungsreichen Menschen einfallen lassen. Der das Gesetz erlassende Gesundheitsminister hat selbst im eigenen Kabinett erbitterte Feinde: so hält der Verteidigungsminister das Gesetz für überzogen und gegen das Recht auf privates Eigentum verstoßend. Völlig zu Recht konstatiert er, dass man gegen das Rauchen auf erzieherischem Wege vorgehen sollte und nicht mit Verboten. Es ist davon auszugehen, dass (zumindest anfangs) regelrechte Razzien, heftige Streitereien und letztlich Festnahmen stattfinden werden, denn so einfach werden sich weder die Raucher noch die Restaurants geschlagen geben. Es ist sicher auch anzunehmen- und wer wollte ihnen das verdenken -, dass einige Restaurants und Bars ihre gesamten Räumlichkeiten als Raucherzone deklarieren werden; letztlich würden sie damit dem Gesetz Genüge tun, auch wenn es ad absurdum geführt würde. Ich bin sicher, diese Etablissements hätten einen enormen Zuspruch. Die Hoffnung mancher Besitzer, es kämen mehr Nichtraucher in die Lokale wenn das Rauchen verboten ist als Raucher fernblieben, ist in diesem Land eine kindliche Illusion. Hier ging es – bis auf den Gesundheitsminister offenbar - bisher sehr liberal zu: Raucher und Nichtraucher haben stets nette und freundliche Lösungen gefunden, der dem Gedanken des Gesetzes zugrunde liegende fast fundamentalistische Ansatz geht am italienischen Wesen völlig vorbei. Es ist, um es deutlich anzusprechen, einfach falsch, die Regelungen anderer Länder, die zum Teil inquisitorische Maßnahmen gegen das Rauchen erlassen haben, auf Italien anzuwenden, ein Land, in dem Purismus, Fanatismus und missionarischen Vorgehen gegen andere einfach unpassend und unangebracht ist, ein Land, das seinen Charme im laissez faire und dem bunten Miteinander aller begründet und damit unverschämt gut fährt. Die Zahl der Touristen s |