CC-Villas
Notizen und Impressionen aus Italien
07.01.05

Dem Blauen Dunst an den Kragen…

Wie berichtet tritt demnächst (manche sagen am kommenden Montag) das Gesetz in Kraft, nach dem in Restaurants, Bars usw. nicht mehr geraucht werden darf, es sei denn in einem abgeschlossenen Raum mit eigener Belüftung. Nicht nur die Raucher gehen auf die Barrikaden, mehr noch werden das die Eigentümer und Betreiber der Lokale tun, die einfach nicht in der Lage sein werden, den infrastrukturellen Auflagen zu folgen. Sie sollen, so das Gesetz, sogar Kunden denunzieren, die gegen das Verbot verstoßen, ansonsten werden sie selbst „verknackt“- und das nicht zu billig.
Nun wird in diesem Land nichts so heiß gegessen wie es gekocht ist, „tanto fumo, pocco arrosto“ (viel Lärm um nichts) ist eine stehende italienische Redewendung, die hier sicher gut passend Anwendung finden dürfte. Wahrscheinlich kommt bald eine Ein-Mann-Ausrüstung auf den Markt mit eigener Raucherkuppel und langem Abzug, der bis auf die Strasse reicht, irgendetwas werden sich diese erfindungsreichen Menschen einfallen lassen. Der das Gesetz erlassende Gesundheitsminister hat selbst im eigenen Kabinett erbitterte Feinde: so hält der Verteidigungsminister das Gesetz für überzogen und gegen das Recht auf privates Eigentum verstoßend. Völlig zu Recht konstatiert er, dass man gegen das Rauchen auf erzieherischem Wege vorgehen sollte und nicht mit Verboten.
Es ist davon auszugehen, dass (zumindest anfangs) regelrechte Razzien, heftige Streitereien und letztlich Festnahmen stattfinden werden, denn so einfach werden sich weder die Raucher noch die Restaurants geschlagen geben. Es ist sicher auch anzunehmen- und wer wollte ihnen das verdenken -, dass einige Restaurants und Bars ihre gesamten Räumlichkeiten als Raucherzone deklarieren werden; letztlich würden sie damit dem Gesetz Genüge tun, auch wenn es ad absurdum geführt würde. Ich bin sicher, diese Etablissements hätten einen enormen Zuspruch. Die Hoffnung mancher Besitzer, es kämen mehr Nichtraucher in die Lokale wenn das Rauchen verboten ist als Raucher fernblieben, ist in diesem Land eine kindliche Illusion. Hier ging es – bis auf den Gesundheitsminister offenbar - bisher sehr liberal zu: Raucher und Nichtraucher haben stets nette und freundliche Lösungen gefunden, der dem Gedanken des Gesetzes zugrunde liegende fast fundamentalistische Ansatz geht am italienischen Wesen völlig vorbei. Es ist, um es deutlich anzusprechen, einfach falsch, die Regelungen anderer Länder, die zum Teil inquisitorische Maßnahmen gegen das Rauchen erlassen haben, auf Italien anzuwenden, ein Land, in dem Purismus, Fanatismus und missionarischen Vorgehen gegen andere einfach unpassend und unangebracht ist, ein Land, das seinen Charme im laissez faire und dem bunten Miteinander aller begründet und damit unverschämt gut fährt. Die Zahl der Touristen selbst aus dem raucherfeindlichsten Ausland hat nicht einen Deut abgenommen, im centro storico von Rom oder im Trastevere feiern Amerikaner und Skandinavier fröhlich inmitten rauchender Einheimischer und fühlen sich offenbar nicht so gestört, dass sie die Lokale mieden.
Und denken wir an den armen Polizisten, der nachts die Kontrollen durchführen muss: nicht nur, dass er sich viel Zank und böse Worte einhandelt; der Arme muss auch immer seine Zigarette ausmachen, bevor er das Lokal betritt. Das wird auf die Dauer teuer.
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