05.02.05 Einfallsreichtum..
Mehrfach habe ich in verschiedenen Zusammenhängen über italienischen (oder sollte man sagen „mediterranen“?) Einfallsreichtum berichtet. Nunmehr gibt es einen neuen Fall besonderer Art., wie der „Corriere della Sera“ berichtet:
In einer Keramikfabrik in Cerveteri mit „Joint Ventures“ in Canino und Brescia wurde durch die Fiamme Gialle (die italienische Zoll- und Finanzbehörde) ein ausgeklügelter Schwindel aufgedeckt. Die drei Firmen hatten arbeitsteilig eine attische Vase, eine so genannte Kylix, hergestellt und sie durch Bombardieren mit Röntgenstrahlen (genutzt wurden herkömmliche Geräte aus der Krankenbehandlung) so altern lassen, dass sie durch alle Expertenkreise hindurch dem 6. Jahrhundert vor Christus zugeordnet wurde. Eine ganz besondere Ausgabe deshalb, weil sie eine der wenigen (man weiß von zweien, eine im Louvre, die andere in Rom in der Villa Giulia) von den beiden damals bekanntesten Künstlern auf dem Gebiet signierten war. Das Produkt hatte zuletzt sogar die positive Expertise des British Museum in London erhalten, der entsprechende Markt von der Schweiz bis Japan und den Emiraten war „hinter dem Objekt her“. Nachfolgende Untersuchungen ließen den Schwindel auffliegen, da man im Material der Vase praktisch kein Chrom und Nickel fand, wie sie in attischen Vasen normalerweise üblich sind. Bleibt nebenbei zu berichten, dass man natürlich eine Menge anderer Falsifikate „in statu nascendi“ gefunden hat und die gesamte Bande festgenommen wurde. Um ein Haar und ohne die findigen Beamten der Fiamme Gialle wäre die Vase heute wohl Prunkstück eines renommierten Museums irgendwo auf diesem Globus oder als Eigentum eines reichen Sammlers in einem Safe (ob dieser Privatmann jemals zugegeben hätte, Opfer eines cleveren Schwindels geworden zu sein?). Stoff sicher für einen weiteren Krimi im einschlägigen Genre… |
