CC-Villas
Notizen und Impressionen aus Italien
20.04.05

Una Sancta - Habemus Papam

Ob es nun der Heilige Geist oder die Hand seines großen Vorgängers war: Das Konklave wählt Kardinal Ratzinger zum neuen Papst, und dies bereits im 4.Wahlgang, das heißt mit 2/3 Mehrheit.
Für uns Deutsche eine große Ehre, mehr noch ein wichtiges Zeichen, dass das Herkunftsland Deutschland endgültig nicht mehr als Argument gegen ein Amt dieser Bedeutung zählt, wenigstens dort, wo man in großen Dimensionen und Perspektiven denkt.
Weit wichtiger aber ist die Tatsache, dass mit Benedikt XVI. eine herausragende Persönlichkeit ins Amt berufen wurde, die mehr als jeder andere Gewähr dafür bietet, dass Kontinuität im positiven Sinne herrschen wird, in wesentlichen Bereichen die Ansätze seines Vorgängers Fortsetzung finden und die „Una Sancta“ sich nicht ins Belieben dessen stellt, was Politiker so gerne „Volkes Stimme“oder Zeitgeist nennen.
Ich bin sicher, dass der neue Heilige Vater weit reformwilliger ist als das seine zum Teil gut, zum anderen Teil erbärmlich argumentierenden Kritiker in apodiktischer Form vorhersagen. Dennoch werden und müssen Öffnungen der Katholischen Kirche langsam und sehr behutsam erfolgen, auch deshalb, weil es nie Schritte zurück geben kann. Sie steht auf einem Felsen, nicht auf Treibsand. Darin – unter anderem – unterscheidet sie sich von der weltlichen Partei-Politik, die grotesk kurze Halbwertzeiten ihrer Programme und Strategien, ja sogar ihrer „Wahrheiten“ akzeptiert oder dies gar als fortschrittlich und besonders demokratisch zelebriert. Die Katholische Kirche denkt – Gott sei Dank – nicht in Legislaturperioden und Polit-Barometern, sie denkt und lenkt nicht im engen nationalen Stil, sie ist und muss immer Weltkirche bleiben. Insofern relativieren sich die Kritiken derer, die „im Zorn zurückblicken“, auch wenn die Küngs und Drewermanns in unseren deutschen Medien dieser Tage einen ihnen nicht mehr zustehenden Stellenwert haben. Es ist schon bemerkenswert, dass wir Deutschen eine wohl außergewöhnliche Ader dafür haben, die Freude einer weltweiten Gemeinde aus unserer Froschperspektive und dem Anspruch, letztlich alles besser zu wissen, in Frage zu stellen. Schade, dass die Berufskritikaster nicht die Proklamation in Rom miterlebt haben. Der Jubel über die getroffene Wahl und die ersten Worte des Heiligen Vaters hätten sie vielleicht etwas nachdenklich gemacht, wenigstens für ein paar Minuten. Und das wäre ja schon „metà dell’opera“. Vielleicht sollten sich manche ein Beispiel am Vorsitzenden der Evangelischen Bischofskonferenz nehmen, dessen Kommentar im Fernsehen am Proklamationstag ich ausgezeichnet weil konstruktiv denkend fand. Im Gegensatz dazu ist manch anderer Kommentar „gewogen und zu leicht befunden“.
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