25.04.05 Habemus Papam - Wir haben einen Paps
In einer gleichermaßen prunkvollen wie würdigen Feier wurde gestern in Rom Papst Benedikt XVI. offiziell und vor aller Welt in sein hohes Amt eingeführt, rund 400.000 Menschen auf dem Petersplatz bis in die Via della Conciliazione hinein, weitere Zigtausend an den großen Fernsehschirmen in ganz Rom, wahrscheinlich Milliarden vor den Fernsehern in aller Welt.
Wer nach den ersten Begegnungen mit dem neuen Heiligen Vater immer noch behauptet, dieser sei ein ausschließlicher „Kopfmensch“, ein rückwärts gewandter konservativer „Scharfmacher“, handelt wider besseres Wissen oder ist unbelehrbar. Ein scharfer Geist und Intellekt, sicher, aber gleichzeitig und wohl auch gleichermaßen ein an Güte und glaubhafter, unverwechselbarer Demut unübertrefflicher Hirte der großen Kirche. Ein Hirte, dem die Kirche folgen und ihn stützen wird, ein Hirte auch, der unermessliche Möglichkeiten einer breiten Verständigung in einer Zeit schaffen kann – und offenbar auch will -, die durch Egoismen geprägt ist, in der es als zeitgemäß angesehen wird, alles zu relativieren und in Frage zu stellen und grundlegende und unverrückbare Ordnungen und Wahrheiten als Knebel des emanzipierten Menschen von heute anzuprangern. Sicher wird und muss er die unverbrüchlichen Werte der katholischen Kirche bewahren, Schritte der Öffnung behutsam und mit Blick auf ihre Langzeitwirkung bewerten; hier geht es schließlich nicht um das „Tafelsilber“ wie in der Politik, es steht einfach mehr und wichtigeres auf dem Spiel. Dieser Heilige Vater ist nach meiner festen Überzeugung eine „gottgegebene Chance“, insbesondere nach dem Wirken seines großen Vorgängers. Wir hatten das große Glück, auch diese Feier mitzuerleben wie bereits seine Proklamation vor einigen Tagen. Beeindruckend, ergreifend ob der schlichten Ehrlichkeit, Demut und Lauterkeit, die aus seinen Worten spricht und diejenigen ermutigt und „eingenommen“ hat, die unmittelbare Zeugen sein durften. Beeindruckend aber auch Kleinigkeiten am Rande: Neben den vielen Transparenten, die auf dem Petersplatz zu sehen waren, fiel mir eines besonders auf, obwohl es weniger groß war als viele andere: eine junge italienische Familie, Vater, Mutter und zwei Kinder trugen ein selbstgefertigtes Plakat mit sich mit der Aufschrift „A me sta bene che il mio pastore sia Tedesco, Viva Benedetto XVI“ – mir ist es Recht, dass mein Hirte Deutscher ist, es lebe Benedikt XVI. Selbstverständlich? Wohl kaum, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Inthronisierung einen Tag vor der 60 Jahre-Feier der Befreiung Italiens vom Faschismus stattfand. Ein weiteres ermutigendes Zeugnis dafür, dass die Gläubigen in ihrem Heiligen Vater den Menschen suchen, dem sie vertrauen und folgen wollen. Und ich bin sicher, sie, nein besser: wir haben ihn in Benedikt XVI gefunden. Und eine letzte Randbemerkung: Kurzatmige Politiker in aller Welt, von Termingeschäften mit kurzfristiger Rendite getrieben und auf eitle Einschaltquoten getrimmt, werden damit rechnen müssen, dass er seine Stimme erheben wird. |




