15.06.05 Volkes Stimme
Wie bekannt scheiterte am Sonntag/Montag in Italien ein Referendum, das zum Ziel hatte, die Bestimmungen über künstliche Befruchtung und parallele Themen zu erleichtern. Statt der erforderlichen 50% gaben nur etwa 25% ihre Stimme ab. Die Positionen der Politiker waren sehr geteilt, eindeutig jedoch die Haltung der Kirche mit Papst Benedikt XVI an der Spitze. So gesehen war es keine Überraschung, dass sich die überwiegende Mehrheit der Stimme enthielt, der Wahl fernblieb und so das Referendum zum scheitern brachte.
Interessant in diesem Zusammenhang ist eine – wie üblich handschriftliche – Danksagung auf dem Stein im Zentrum Roms, dem sogenannten Grillo Parlante, wo anonym Meinungen verbreitet werden. Ein Schreiber bedankte sich bei Benedikt dem XVI für seine klare Haltung, er habe sich bereits kurz nach Amtsantritt mit diesem „Wunder“ den ersten Schritt zu Heiligsprechung verdient. Im übrigen mehren sich die Stimmen, die sagen, wie schade, dass wir nicht über die EU-Verfassung haben abstimmen dürfen, es wäre eine schöne Chance gewesen, den Franzosen (und Deutschen) zu zeigen, dass Italien seine eigene Stimme in der EU erheben möchte. Über EU-Brüssel, Paris und Berlin schüttelt man nur noch den Kopf, das Thema einer Verankerung klarer christlicher Traditionen und Bindungen findet neue Nahrung. Sollte das „Paket Verfassung“ nochmals aufgeschnürt werden, wird es hier einen Zankapfel geben, bei dem sich einzelne Länder nicht mehr unter Berufung auf ihre nationale (!) Trennung von Kirche und Staat werden durchsetzen können. Es ist anzunehmen, dass der derzeitige EU-Gipfel bestenfalls fromme Wünsche kreieren wird, im Kern ist der bisherige Ansatz EU mausetot, und die Totengräber sitzen dort, wo nationale Hybris zu eigener Bestallung als Führer der EU geführt hat. Politik, so sagte man früher, ist die Kunst des Möglichen. Auch jetzt geht es darum zu erkennen, was mittelfristig möglich und einvernehmlich regelbar ist. Es wäre gescheiter gewesen, einen EU-Gipfel erst dann stattfinden zu lassen, wenn Aussicht auf erfolgreiche Schritte gegeben ist. Die EU ist derzeit bestenfalls ein „lame duck“, hektisches Schnattern bringt uns derzeit sicher nicht weiter. Die Lokomotiven haben versagt, ist es die Stunde der Wagons und ihrer Insassen ? Oder sollten sie erneut „den Mund halten“ wie mancher das gerne möchte? |




