CC-Villas
Notizen und Impressionen aus Italien
13.03.06

Wahlkampf in Italien oder „Jetzt geht’s los!“

In Italien ist der Wahlkampf in vollem Gange, nach einer außergewöhnlich langen Legislatur der Regierung Berlusconi sicher einer der interessantesten der letzten Jahrzehnte.
Im Rahmen dieser Kampagne wurde Ministerpräsident Berlusconi von einem der Sender der öffentlich rechtlichen RAI zu einem Interview eingeladen, das er vorzeitig und unter Protest abbrach und das Studio verließ.
Zum Hintergrund:
1.Berlusconi, Eigentümer einer breiten Reihe von Privatsendern (Mediasat), wird seit Jahren vorgeworfen, diese Sender parteipolitisch zu nutzen. Demgegenüber behaupten Berlusconi und seine Parteigänger/Koalitionspartner, die öffentlich rechtliche RAI (Rundfunk und Fernsehen) sei linksorientiert, ja von links unterwandert und gesteuert.
2. Berlusconi hatte vor kurzem einer Einladung folgend eine Rede vor dem US-Kongress gehalten, erstmalig für einen italienischen Ministerpräsidenten. Die Rede war bestens vorbereitet, mit einer hervorragenden Adressatenanalyse genau auf sein Publikum zugeschnitten, rhetorisch und dramaturgisch einfach sehr gut, emotional am Rande des Erlaubten, mit einem Wort: Er hatte einen großen Erfolg bei diesem Auftritt. Übertragen wurde diese Rede ausschließlich von Mediasat, die RAI beschränkte sich auf Auszüge und die unvermeidliche Kritik von der Opposition.
3. Mit Dekret des Staatspräsidenten gilt in Italien für eine definierte Zeit vor den Wahlen die Linie der „Chancengleichheit“ auch mit Blick auf die Medien, somit auch für Fernsehauftritte der Spitzenkandidaten. Mit Mühe konnte man sich auf zwei Fernsehduelle Berlusconi- Prodi einigen, die mit Spannung erwartet werden.
Vor diesem Hintergrund kam es nun zu einem Live-Interview von Berlusconi durch die RAI. Gesprächspartner war eine Journalistin der RAI. Im Verlaufe dieses Interviews fühlte sich Berlusconi durch die Journalistin manipuliert, die ihn in der Tat nicht ausreden und seine Gedanken/Programme darstellen ließ, sondern ihn laufend unterbrach und mit neuen bohrenden Fragen bedrängte. Ergebnis: Berlusconi warf ihr Parteilichkeit vor und verließ das Studio vorzeitig, er brach das Interview mit dem Bemerken ab, der beste Beweis der Parteilichkeit der RAI sei heute erbracht worden.
Die Wogen gehen naturgemäß hoch in Italien, Tenor wie nicht anders zu erwarten unterschiedlich je nach Parteieninteressen. Dem unbefangenen Betrachter stellt sich die Lage wie folgt dar: Die Gesprächsführung der Journalistin war tatsächlich nicht wertfrei und journalistisch unparteiisch, sie war darüber hinaus fast dilettantisch tendenziös und spielte Berlusconi das Argument „Hier haben wir den Beweis für die politische Unterwanderung der RAI“ in die Hand. Ob die vorzeitige Beendigung eines solchen Interviews politisch die richtige Lösung ist, steht dahin. Die Wahlen in wenigen Wochen werden zeigen, wer wem in die Falle gelaufen ist. Es bleibt spannend, und weitere Possen werden unvermeidlich folgen.
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