11.04.2006
Nach der Wahl ist vor der Wahl...
Italien hat gewählt. Bleibt es bei den Zahlen von heute, so hat das Linksbündnis unter Prodi sowohl im Senat wie in der Kammer hauchdünne Siege errungen. Die eigentliche Mehrheit im Parlament entsteht letztlich durch das neue Wahlgesetz, nicht durch den Vorsprung von rund 25000 Stimmen bei knapp 60 Millionen Wahlberechtigten. Bleibt abzuwarten, ob es ernsthafte Wahlanfechtungen und Nachzählungen geben wird, auszuschließen ist dies nicht.
Glücklich, wer hier nicht wählen musste. Die Entscheidung zwischen einem erfolgreichen aber eben sehr schillernden Berlusconi und einem grundsoliden aber erschreckend farblosen Prodi wäre nicht leichtgefallen. Wie geht es weiter? Zunächst einmal: es geht weiter, das ist in Italien seit über 2000 Jahren so. Angesichts des Wahlausgangs wird es einige Zeit dauern, bis man sich etabliert hat. Die politische Spaltung des Landes konnte deutlicher nicht sichtbar werden, die Regierung wird es nicht leicht haben. Abzuwarten, ob das Linksbündnis hält, umfasst es doch ein Konglomerat von politischen Richtungen, die sich bisher nur im Kurs gegen Berlusconi einig waren. Ich sehe keine 5 Jahre Regierungszeit Prodi, der ja auch bei seinem letzten Versuch aus den eigenen Reihen gestürzt worden ist. Das Schiff Italien hat einen selbstverliebten Skipper verloren und gegen eine Handvoll Steuerleute eingetauscht, die als Persönlichkeiten nicht unbedingt dem nominellen Kapitän folgen werden. Wichtiger aber erscheint mir die Wahrscheinlichkeit, dass Italien seinen unter Berlusconi errungenen Platz in der EU und international nicht wird halten können. Bei all seinen Allüren ist Berlusconi ein instinktsicherer Vollblutpolitiker, der sein Land nach außen bestens in Szene gesetzt hat. Auch innenpolitisch hat er weit mehr Meriten, als ihm zB die deutschen Medien zubilligen wollen, die ihn gerne mit spitzer Feder mit Häme überziehen, wahrscheinlich ohne je in Italien gelebt zu haben oder dem Betroffenen persönlich begegnet zu sein. Das Gescheiteste wären Neuwahlen mit dann klaren Entscheidungen oder eine Große Koalition, die man sich hierzulande aber nicht vorstellen kann. Nach anfänglicher Hektik dürfte es langweiliger werden in diesem Land, das Gezänk wird zunehmen, die staatlichen Medien und die Justiz in ihrer Ausrichtung noch einseitiger werden, die Gelder für notwendige Reformen/Entlastungen werden auch die Neuen nicht auf der Straße finden. Warten wir es ab, das Klima und die Freundlichkeit der Menschen im Lande helfen dabei. Wie sagt man hier: “Anche Roma non è stata fatta in un giorno” |
