17.04.06
Wahl in Italien, oder: die Unendliche Geschichte
Mit Spannung wird das endgültige (?) Votum der Gerichte zum Ausgang der Wahlen in Italien erwartet. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass die Linkskoalition letztlich das bessere Ende für sich behalten wird, jedenfalls im Parlament, im Senat kann es eng werden. Und eine italienische Regierung, die nicht in beiden Kammern eine Mehrheit hat, gerät in arge Schwierigkeiten – von der mangelnden Homogenität der Linkskoalition ganz zu schweigen.
Die Kritik des Auslands, zunehmend aber auch in Italien, richtet sich gegen die „sture“ Haltung Berlusconi’s, der das bisherige Wahlergebnis nicht anerkennen will. Die Begrifflichkeiten reichen von Starrsinn, über Realitätsverlust und Lächerlichkeit bis hin zu schlimmeren Termini aus dem Vokabular der Politik und noch mehr der Medien. Man kann über Berlusconi’s verzweifelte Rettungsversuche sicher unterschiedlicher Meinung sein. Eines aber dürfte feststehen, will man nicht plötzlich die Welt der Politik und der Medien mit einem Glorienschein des Wohlverhaltens verschleiern.: Die italienische Linke würde mit Sicherheit denselben Weg gehen, sähe sie darin eine letzte Chance eine verloren erscheinende Wahl am Ende doch noch zu gewinnen. Wer glaubt, dies sei ein typisch italienisches Phänomen, macht sich etwas vor. Denken wir an die letzte Wahl in den USA. Und hätte Schröder die Macht abgegeben, wenn es noch eine letzte kleine Chance zu ihrer Erhaltung gegeben hätte? Wo es um (politische) Macht geht, haben hehre Verhaltensweisen, Fairness und Edelmut keinen Platz mehr, wenn sie es denn je hatten. Die Zeiten haben sich verändert und wir (in Italien oder sonst wo) mit ihnen. |




