11.11.06
Management by surprise Freitagabend, Hauptverkehrszeit, ein Bus in Rom. Vollbesetzt, alle haben es eilig, manche tatsächlich, andere geben sich gerne als „wichtig und unter ewigem Zeitdruck“. Nun wird dieser Bus plötzlich umgeleitet, für eine der unendlich vielen und absolut nutzlosen Demonstrationen in der Innenstadt ist der Verkehrsknotenpunkt Piazza Venezia gesperrt. Natürlich ist diese Umleitung nicht angekündigt, der Busfahrer gibt keinerlei Hinweise, alle fahren plötzlich in eine total veränderte Richtung. Erst ungläubiges Gemurmel, das schnell in hektische und laute Atmosphäre umschlägt. „Ich hätte hier aussteigen müssen“, „ich muss die Kinder von der Schule abholen und werde sie so verpassen“, „mir geht ein Geschäft von mehreren Millionen durch die Lappen“, „meine Frau glaubt mir kein Wort, wenn ich zu spät komme“ usw. Danach beruhigt sich zwar nichts und niemand, aber die Gespräche gehen in zwei Richtungen: 1. Wozu sind all diese Demonstrationen gut, uns armen Schweinen helfen sie jedenfalls nicht (Anhänger von Berlusconi bzw. Prodi geraten sich in die Haare) und 2. Hat man mit Arthritis echt Anspruch auf einen Sitzplatz, besonders bei langen Umleitungen („ich habe schwere Arthritis, wollen Sie mal meine Knie sehen“, so eine ältere überdimensionierte Dame, nein: besser Frau). Am Ende der Umleitung und ca. 20 Minuten später stellt sich heraus, dass die Demonstration bereits beendet und die Straße längst offen gewesen wäre. Die Knie der Frau wurden uns erspart, der Mann, dem das Millionengeschäft durch die Lappen zu gehen drohte, konnte seinen Lottozettel doch noch rechtzeitig abgeben. Und zu Hause haben sie all wieder etwas zu erzählen... |
