Notizen und Impressionen aus Italien
23.12.08


Gefahr gebannt

Wie vielfach auch in ausländischen Medien berichtet, war Rom und Umgebung mehrere Tage vom Hochwasser bedroht. Die außergewöhnlich starken und andauernden Regenfälle der Tage zuvor hatten den Tiber weit über sein Normalniveau ansteigen lassen. Manche sprachen vom Jahrhunderthochwasser, auch wenn  - wie häufig – die Berichterstattungen der nichtitalienischen Presse von Übertreibungen gekennzeichnet waren.
Der Pegel des Tiber stieg auf Höhe Via Ripetta bis auf  7 Meter über normal. Überschwemmungen mit der Notwendigkeit von Evakuierungen gab es jedoch nur dort, wo der Fluss stadtnah nicht kanalisiert und in hohe Kaimauern gezwängt ist, also im Zufluss auf die Stadt und in der Nähe der Mündung des Aniene bis hin zur Milvischen Brücke sowie unterhalb der inneren Stadt und insbesondere im Mündungsgebiet um Fiumicino und Ostia. Für das Centro Storico bestand Gefahr eigentlich nur darin, dass die etwas unterdimensionierte Kanalisation die Wassermassen nicht mehr fassen konnte; es war nicht auszuschließen, dass Kanaldeckel einfach „hochgehen“ würden und sich Wasser in der Innenstadt verteilen würde. So weit kam es jedoch nicht.
Der angeschwollene Fluss riss offenbar nicht hinreichend gesicherte Boote und schwimmende Restaurants los, die sich dann z.T. unkontrolliert in den  Brücken verkeilten und so zusätzlich den Abfluss des Wassers behinderten. Ein so havariertes Gebilde zweier Schiffe musste letztendlich gesprengt werden, um den Durchfluss wieder herzustellen. Die Naivität mancher dieser Boots- und Schiffsbesitzer, in einem TV-Interview dokumentiert, ist beachtlich, und es bleibt zu hoffen, dass man denen die Kosten der Feuerwehr in Rechnung stellt, die grob fahrlässig gehandelt und die Warnungen nicht ernst genommen haben.

Natürlich dienten die Ereignisse auch zu heftigen politischen Auseinandersetzungen und Vorwürfen; nicht ganz untypisch dabei die Vorwürfe von Versäumnissen hinsichtlich einer Modernisierung des Kanalsystems der Stadt an den Bürgermeister, pikanterweise am heftigsten von einem seiner Vorgänger, in dessen Amtszeit die Sachlage unverändert bekannt war und nicht in Angriff genommen worden war.

 

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